Von Gastautor Christoph Ernst
Am 31. Januar 1933, als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war und die SA triumphierend durchs Zentrum Berlins zog, soll der 86jährige Maler Max Liebermann gesagt haben: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!“ Heute marschieren ‚Aktivisten‘ und die sogenannte Antifa Seite an Seite mit Muslim-Brüdern und Salafisten, Berliner Gerichte sehen keinen Antisemitismus darin, wenn jüdische Studenten durch pro-palästinensische Kommilitonen krankenhausreif geprügelt werden, und der ARD-Journalist Georg Restle nennt von Nairobi aus einen Artikel des israelfeindlichen US-Professors Stephen Zunes in ‚The Nation‘ als Quelle dafür, dass hinter den jüngsten Grenzverletzungen von Ceuta diplomatische Drahtzieher in Tel Aviv und Washington stecken. Und mir geht es wie Liebermann.
Bei „Die Juden und die Radfahrer sind an allem schuld!“, ist der Reflex der meisten Linken ein irritiertes „Wieso die Radfahrer?“ Vom Rabbinerenkel Karl Marx, der 1843 mit seiner Kampfschrift ‚Zur Judenfrage‘ ein Machwerk vorlegte, zu dem ihm auch Hitler applaudiert hätte, bis hin zu Michel Foucault, der als schwuler Bürgersohn die französische Bourgeoise verabscheute und ihr mit seinem diskursanalytischen Kulturnihilismus nachzuweisen suchte, dass all ihre Werte nichts als Repressionswerkzeuge waren, während er sich parallel für Ruhollah Khomeinis blutige islamische Revolution begeisterte, wabert seit jeher mehr oder minder offene Aversion gegen Juden durch das ‚linke‘ Spektrum. Foucaults Schülerin Judith Butler, die transgenderaffine Ikone des Queer-Feminismus, bemerkte schon 2006, es sei „äußerst wichtig, die Hamas und die Hisbollah als fortschrittliche soziale Bewegungen zu verstehen, die der Linken angehören und Teil einer globalen Linken sind.“ In ‚Krieg und Affekt‘ lobte sie dann die Taliban 2010 für deren vermeintlich antiimperialistischen Burka-Gebote. Butler ist als eine der linken US-Akademikerinnen jüdischer Herkunft, die sich radikal gegen Israel positionieren, eines der wichtigsten Gesichter der ‚Boykott, Divestment and Sanctions‘-Kampagne (BDS). Frankfurt würdigte ihren Eifer 2012 mit ‚Theodor W. Adorno-Preis‘. Adorno veröffentlichte gemeinsam mit Max Horkheimer 1944 die ‚Dialektik der Aufklärung‘, eines der Hauptwerke der ‚Kritischen Theorie‘. Insofern ist die Verleihung des Preises an eine Person wie Butler nicht ohne Ironie, zumindest, sofern man unterstellt, dass Adorno und Horkheimer Gegner der Nazis waren und deren Pervertierung von Vernunft angreifen wollten. Aber auch die Grünengröße Claudia Roth, die durch weit weniger theorielastige Sphären tobt, findet BDS ganz großartig. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz tauschte sie ‚High-Fives‘ mit dem Botschafter islamischen Republik und verhüllte in Iran trotz vehementer Proteste persischer Frauenrechtlerinnen artig ihr Haupthaar.
Geht es gegen Israel, geben Linke seit jeher gern die nützlichen Idioten für Judenhasser. Das war schon in Entebbe so, wo die deutschen Linksterroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann ihren arabischen Kumpanen halfen, die jüdischen Passagiere des Air France Flugs als Geiseln zu selektieren. Nach deren spektakulärer Rettung durch ein israelisches Kommando regten sie sich daheim dann darüber auf, dass die Israelis die Souveränität Ugandas verletzt hätten. Doch seit dem 7. Oktober 2023 bekennen sie sich nicht nur dazu, Israel abschaffen zu wollen, sie sind dazu übergegangen, jeden anzugreifen, die überhaupt noch die Existenz eines Staats bejaht, der Juden Zuflucht bietet. Denn natürlich war die Gründung Israels auch eine Antwort auf Auschwitz und das fulminante Versagen der restlichen Welt in der Dekade davor. Die Erinnerung daran ist verblasst. Jetzt soll sie beseitigt werden, mitsamt dem europäischen Erbe, dem Christentum und weltlichen Rechtsstaat, also letztlich allem, was es mündigen Einzelnen ermöglicht, halbwegs selbstbestimmt zu leben.
War aggressiver Antizionismus bis vor wenigen Jahren eher ein Phänomen der extremen Ränder, plappern Linke nun auf breiter Front judenfeindliche Parolen nach, die schon unter den Nazis beliebt waren, und Verschwörungstheorien, die sich wie die recycelten ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ lesen, machen als ‚Israelkritik‘ bis in die ‚politische Mitte‘ Furore.
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Der 7. Oktober 2023 markiert eine Zeitenwende, die ähnlich dramatisch ist wie der 9. November 1989. Nach dem Hamas-Pogrom warf sich die ‚globale Linke‘ in die Arme gewaltverliebter Islamisten. Vordergründig nahm sie Partei gegen Israel. Faktisch erklärte sie der eigenen Zivilisation den Krieg.
Ob mit Zohran Mamdani in New York City ein islamischer Fundamentalist auf dem Ticket der ‚Demokraten‘ ins Bürgermeisteramt reist, die ‚Democratic Socialists of America‘ jüdische Mitstreiter ausgrenzen, weil sie Israel nicht laut genug verdammen, die Labour-Party ‚eine politische Heimat für Antizionisten’ bleiben will, die sich deutsche Chefin der Linkspartei Ines Schwerdtner dafür lobt, Israel jetzt auch des ‚Genozids‘ zu bezichtigen, oder Spaniens Podemos-Führerin Ione Belarra Urteaga ihre Zustimmung zum Staatshaushalt davon abhängig macht, dass ihr Land die alle Beziehungen zum ‚genozidalen Israel‘ abbricht, nachdem der sozialistische Premier Pedro Sánchez 2024 bereits den ‚Staat Palästina‘ anerkannt hat – das Muster ist überall gleich: Die Anhänger einer atheistischen Heilslehre verabschieden sich aus der aufgeklärten Moderne, um sich den gewaltaffinen Vertretern einer Religion anzudienen, die seit 1.400 Jahren an allen möglichen Fronten gegen das christliche Europa kämpft.
Nur zur Klarstellung: Israel hat den aktuellen Konflikt nicht vom Zaun gebrochen. Der Krieg wurde ihm durch die Hamas, die Hisbollah und den Iran aufgezwungen. Am 7. Oktober 2023 feierte es Sukkot, was fünf Tage nach Jom Kippur beginnt. Das Laubhüttenfest markiert den Auszug der Kinder Israels aus Ägypten. Ursprünglich ist es ein Erntedankfest, an dem alle Arbeit ruht. Laut Moses sollen Juden sieben Tage lang feiern, wenn sie ‚das Korn von der Tenne und den Wein aus der Kelter‘ eingelagert haben, fröhlich sein und alle daran teilhaben lassen, die bei ihnen leben.
In den frühen Morgenstunden des ersten dieser Freudentage beschoss die Hamas den Süden Israels mit Raketen. Dann durchbrachen Tausende schwer bewaffneter Milizen simultan an verschiedenen Stellen den Grenzzaun von Gaza und drangen nach Israel ein, überrannten Militärposten, griffen 21 Siedlungen an und machten Jagd auf die Besucher des Supernova-Sukkot-Musikfestivals, das circa fünf Kilometer von Zaun entfernt stattfand. Gemeinsam mit nachfolgenden Plünderern töteten sie etwa 1.200 Menschen, brandschatzten Häuser, Höfe und bewegliche Habe. Als sie gestohlen oder zerstört hatten, was sie vorfanden, zogen sie sich zurück. Dabei verschleppten sie Hunderte Geiseln, von denen mindestens 44 bereits tot waren oder auf dem Weg in die Tunnel unter Gaza-Stadt starben. In den Tagen darauf stießen die Israelis auf 1.139 Leichen. Viele der ermordeten Frauen waren nackt oder hatten entblößte Unterkörper, Männern waren die Genitalien abgetrennt worden, Kleinkindern die Köpfe. Etwa 5.400 der Angegriffenen entkamen verletzt, verstümmelt und/oder vergewaltigt. Der Angriff erfolgte im tiefsten Frieden und kam scheinbar aus heiterem Himmel. Tatsächlich war er von langer Hand vorbereitet und mit der Hisbollah koordiniert. Eigentlicher Drahtzieher war die iranische Führung. Die wollte die zaghafte Verständigung zwischen Israel und seinen Nachbarn verhindern und die ‚Abraham-Accords‘ torpedieren.
Der Blutrausch erschütterte Israel und schockte Europa. Eigentlich hätte das Ereignis dazu führen müssen, dass alle zivilisierten Artgenossen den Angegriffenen beisprangen, um die Urheber des Terrors zur Verantwortung zu ziehen. Das genaue Gegenteil geschah. Binnen kürzester Zeit eroberten ‚pro-palästinensische Aktivisten‘ und Abertausende zugereister Muslime die Straßen, verdrehten Ursache und Wirkung, erklärten die Angreifer zu Opfern, vernebelten Fakten, zelebrierten aggressives Selbstmitleid und bezichtigten Israel haarsträubender Gräuel. Kurz, sie verhielten sich wie tobsüchtige Kinder.
Das Erschreckende: Kein Erwachsener griff ein. Niemand widersprach den Lügen, bremste die Exzesse und rief die Wildgewordenen zur Ordnung. Die offiziellen Reaktionen auf die triumphalen Hassbekundungen blieben windelweich. Man log, in Deutschland sei kein Platz für Judenhass, und die grüne Ministerin, die gerade die Ära feministischer Außenpolitik ausgerufen hatte, vermied es tunlichst, auf Gruppenvergewaltigungen und sexualisierte Morde einzugehen. Stattdessen ermahnte sie die Israelis zu ‚Besonnenheit‘.
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Nach islamistischen Attacken bietet unsere politische Elite stets das gleiche Schauspiel aus Appeasement und vorauseilender Selbstverleugnung, fast so, als orientiere sie sich an den Vorgaben aus Michel Houellebecqs ‚Unterwerfung‘. Nur war dessen Roman als Warnung gedacht, nicht als Blaupause. Angela Merkel sah das anders. Neun Monate nach Erscheinen des Buches öffnete sie die deutschen Grenzen. Das löste einen Migrationssog aus, der auch zahllose Fans des IS, der Hamas und Hisbollah ins Land spülte. Infolge ihrer Leichtfertigkeit erleben wir die rasante Islamisierung des Landes, gekoppelt ans spürbare Schwinden innerer Sicherheit. Niemand weiß, wie viele Glaubenskrieger Deutschland mittlerweile so beherbergt. Wir alle dürfen rätseln, ob sich das importierte Terrorpotential überhaupt noch halbwegs unblutig entschärfen lässt. Also blenden die Verantwortlichen den Komplex aus. Wer noch sagt, dass orthodoxer Islam und weltliches Christentum nicht kompatibel sind und fragt, ob sich eine feminisierte, überalterte Gesellschaft mit dem millionenfachen Import junger Männer aus kulturfremden, krisengebeutelten Regionen einen Gefallen tut, gilt automatisch als ‚rechts‘. Da die herrschenden Kreise sich für tolerant und weltoffen halten, finden sie es fortgeschritten geschmacklos, Wesen und Charakter des Islam zu beleuchten. Darum sind Attacken auf Juden und Christen stets ‚Einzelfälle‘, leiden Attentäter vor Gericht strafmildernd unter psychischen Traumata und genießen zugereiste Scharia-Fans grundsätzlich Welpenschutz. Schuld ist die Gesellschaft, die sich genug um ihre ‚Integration‘ bemüht hat.
Die einzige echte Gefahr für das Gedeihen des Gemeinwesens sehen diese Kreise in denjenigen, die an ihrer Identität als Deutsche und Europäer festhalten wollen. Die sind schlimmer als die Taliban.
Buchstäblich einen Tag nach dem übelsten Massaker an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg, als in zig deutschen Städten muslimische Migranten den Judenmord als Heldentat feierten, Fahnen schwenkten, begeistert hupende Autokorsos bildeten und Naschwerk an Kinder austeilten, bastelte die später preisgekrönte Korrespondentin des deutschen Staatsfernsehens Sophie von der Tann bereits daran, die ‚Menschen in Gaza‘ in Hauptleidtragende des Pogroms zu verwandeln. Für sie standen nicht die vergewaltigten Frauen und enthaupteten Kleinkinder im Vordergrund, nicht die Mütter und Alten, das Schicksal der Geraubten und Verschleppten, sie sorgte sich um das Los der Leute, die die ‚Qassam-Brigaden‘ bejubelt und auf den leblosen Leib der geschändeten Shani Louk gespuckt hatten, den die Hamas dem johlenden Mob auf der Ladefläche eines Pick-Up-Trucks präsentiert hatte. Als die Hisbollah dann kurz darauf vom Südlibanon aus begann den Norden Israels mit iranischen Raketen zu beschießen, berichtete sie darüber nur äußerst sparsam, obwohl das Dauerfeuer an die 50.000 Menschen vertreiben sollte.
Nachdem Israels Armee die Geiseln in Gaza zu befreien suchte und die Hamas ernsthaft zu bekämpfen begann, verglich Francesca Albanese, die notorisch parteiische Sonderbeauftragte der UN für die besetzten Gebiete Palästinas, Israels Premier Benjamin Netanjahu mit Hitler. Derweil versteckten die Mordbrenner sich hinter Frauen und Kindern, nutzten Krankenhäuser und Schulen als Waffenlager und taten alles, um die Zahl der getöteten Zivilisten in die Höhe zu treiben. Das sollte Propagandabilder von ‚palästinensischen Leid‘ liefern und helfen, den Israelis größtmögliche Brutalität zu unterstellen. Albanese, die theoretisch neutral zu sein hat, aber die Flucht von 250.000 Arabern aus dem umkämpften Israel 1948 mit dem industriellen Judenmord der Nazis gleichsetzt, übernahm die Horrorzahlen der Hamas. Damit half sie, die Weltöffentlichkeit zu täuschen und getötete Dschihadisten in unbeteiligte Opfer zu münzen. Karim Khan, der mittlerweile wegen sexueller Übergriffe geschasste pakistanisch-britische Ankläger des internationalen Strafgerichtshofs, warf Israels Premier ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ vor. Die USA und Ungarn protestierten, aber fast alle linken europäischen Regierungen, wie Spaniens sozialistischer Staatschef Sanchez, Britanniens Labour-Führer Keir Starmer oder Deutschlands Außenministerin Baerbock, versprachen den Haftbefehl gegen Netanjahu zu vollstrecken.
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Seit dem Tag seiner Gründung muss Israel sich gegen feindliche Nachbarn behaupten. Das hat es in bisher fünf Kriegen getan, ohne jemals aufzuhören, sich um Frieden zu bemühen. Radikale Siedler sorgen für schlechte Presse, aber die komplizierte Lage wird durch einseitige Berichterstattung heillos verzerrt. In Gaza kämpft Israel gegen einen asymmetrischen Feind, der die Schwächsten der Schwachen als Kugelfänge benutzt und gezielt Leid schürt, um es agitatorisch auszuschlachten. Die Opferzahlen der Hamas und UNRWA verwandeln getötete Bewaffnete in Zivilisten, um die Medien zu beeindrucken. Parteiische oder naive Journalisten übernehmen die Zahlen blind, die islamistische Linke dramatisiert sie, inszenierte Bilder todkranker, bis aufs Skelett abgemagerter Kinder dienen als ‚Beweis‘ für das ‚systematische Aushungern der Palästinenser‘, reisen um die Welt, landen auf der Titelseite der ‚New York Times‘ und schon ist die Rede von ‚andauernden Massakern‘ und ‚Völkermord‘.
Tatsächlich gibt sich Israels Armee weit mehr Mühe als jedes andere Militär, Unbeteiligte zu schonen. Aber Krieg ist eben garstig, und in Wahrheit hat der Krieg, den Hamas, Hisbollah, Huthis und Iran den Israelis aufgezwungen haben, Abertausende von Israelis heimatlos gemacht und Zahllose andere immer wieder in die Schutzräume getrieben.
In postfaktischen Zeiten zählt sorgsamer Umgang mit Sprache. Um eine halbwegs realistische Perspektive zu gewinnen, was Massaker und Völkermorde ausmacht, lohnt ein Blick zurück. Zwischen April und Mitte Juli 1994 entfaltete sich in Ruanda ein Völkermord. Knapp 20 Jahre davor ließ der ‚Bruder Nummer Eins‘ Pol Pot etwa ein Viertel der Kambodschaner töten, um seine Vision eines ökologischen Steinzeitkommunismus herbei zu morden. Mao Tse-tung nahm für seinen ‚großen Sprung nach vorn‘ ein Hungermassaker an Dutzenden von Millionen Chinesen in Kauf. Joseph Stalin stiftete für seine ‚Kollektivierungskampagne‘ den Holodomor an, organisierte Morde nach Quoten und hielt fünf Jahre nach der Befreiung von Auschwitz grob geschätzt zehn Millionen Menschen als Arbeitssklaven in Lagern gefangen. Das führte zu Opferzahlen, die sogar die ‚Mordserfolge‘ seines früheren Verbündeten Hitler in den Schatten stellten.
Die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs dürften weit mehr zivile Todesopfer gefordert als der durch die Hamas provozierte Gaza-Krieg haben. Kein Mensch nennt das Völkermord, und niemand nennt die Vertreibung von Millionen Deutscher aus Ost- und Westpreußen, Schlesien oder dem Sudetenland einen ‚Genozid‘, obwohl es dabei sehr wohl um das planmäßige Auslöschen einer dort über Jahrhunderte beheimateten Kultur ging.
Bei den alliierten Luftangriffen auf Hamburg im Sommer 1943 starben in einer Nacht 30.000 Menschen. Die meisten davon waren Zivilisten. Hätte man britischen und amerikanischen Müttern damals die Bilder der erstickten, erschlagenen, zerfetzten deutschen Kleinkinder gezeigt, würde es sie vermutlich auch nicht kalt gelassen haben. Zugleich hätten sie vielleicht an Coventry und den ‚Blitz‘ gedacht, an das Schicksal ihrer eigenen Kinder, und daran, was denen blühte, falls dieser Feind den Krieg gewann.
Bleibt nur die Wahl zwischen Fehlern, hofft man, sich für den kleineren zu entscheiden. Zugleich sind Israelis auch bloß Menschen. Wer erwartet, dass Soldaten, die Zeuge geworden sind, was die Invasoren aus Gaza unter ihren Leuten angerichtet haben, später im Kampf gegen die Mörder immer kühl und professionell bleiben, ist nicht bei Trost. Umso höher ist es den israelischen Einheiten anzurechnen, wie sehr sie Unbeteiligte zu schonen suchen.
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Die Linke hatte schon immer ein selektives Verhältnis zu Menschlichkeit. Getötete Christen und die Tragödie von Hunderttausenden Armeniern interessieren sie genauso wenig wie die Zehntausende durch ein islamisches Regime getöteten Iraner. Sie glotzen auf Gaza, spucken auf Vernunft und Anstand, und machen dürftig camouflierten Judenhass zu ihrem zentralen Werbeblock.
Bei den Franzosen heißt dieses Phänomen Islamo-Gauchisme. Dort ist ‚La France insoumise‘ (Das unbeugsame Frankreich) das Herz der Bewegung, angeführt vom Jean-Luc Mélenchon, einem ehemals trotzkistischen Karrierepolitiker, der unter Migranten mit Judenfeindlichkeit zu punkten sucht und behauptet, islamische Anschläge seien durch ‚Rechte‘ gesteuert, um Wähler zu manipulieren. Seine Märchen kommen gut an. Bei den Präsidentschaftswahlen 2022 erreichte er fast 22 Prozent der Stimmen, mehr als zwei Drittel davon kamen von muslimischen Wählern.
Eine prominente Größe des Islamo-Gauchisme ist die ‚postkoloniale Feministin‘ Françoise Vergès, die als glühende Verteidigerin des Muslim-Bruders, Hassan al-Banna-Enkels und ‚Euro-Salafisten‘ Tariq Ramadan lange den Lehrstuhl für ‚Globalen Süden‘ an der Pariser ‚Stiftung Haus der Humanwissenschaften‘ innehatte. Zusammen mit Annie Ernaux, Catherine David, Judith Butler und anderen vor allem weiblichen BDS-Befürwortern unterzeichnete sie im Januar 2024 den Aufruf ‚Strike Germany‘, um deutsche Kultureinrichtungen für die vermeintlich zu milde Israelpolitik ihrer Regierung zu bestrafen. Vergès ‚beriet‘ unter anderem die Documenta in Kassel. Sie ist häufiger Gast bei herausragenden Foren in Berlin, wie dem ‚Haus der Kulturen der Welt‘, fast immer auf Kosten eben der Steuerzahler, die sie dann dort der Frauenfeindlichkeit, des Rassismus und der Islamophobie bezichtigt.
Vergés erhellt beispielhaft, wie islamistischer Judenhass über staatlich finanzierte Kulturinstitute und Universitäten bis in vermeintlich gemäßigte Kreise der sogenannten linken Mitte sickert. In weiten Teilen Westeuropas gibt er längst den Ton an. Weltweit marschiert die neue antisemitische Front von ‚links‘ Arm in Arm mit der Muslimbruderschaft, aber während sie Netanjahu zum neuen Hitler erklärt, bleibt sie stumm, wenn islamische Aseris die letzten Hunderttausend Armenier aus Bergkarabach vertreiben und Irans Machthaber in zwei Tagen Zehntausende Perser durch importierte dschihadistische Söldner zusammenschießen lassen.
Israel ist der neue Lieblingsfeind der Linken. Gaza dient als Brandbeschleuniger. Theoretisch ist die Allianz mit Islamisten ideologisch widersinnig. Praktisch eint sie der Hass auf den Westen, und eben deshalb genießen sie das Wohlwollen ‚fortschrittlicher‘ Medien. Denn die Schlüsselrolle in dem Drama spielt eine postmoderne, linkslastige Elite, die geistig entkernt durch Foucaults Universum driftet und voller Aversion gegen alles Europäische, Liberale und Eigene erfüllt ist.
Über die letzten fünf Jahrzehnte hat die ‚dekonstruktivistische Schule‘ es geschafft, ihre neo-marxistischen Maximen als ‚Diversity, Equity and Inclusion‘ im postmodernen Ethik-Kanon zu installieren und suizidalen Kulturrelativismus zum kollektiven Credo zu machen. Von den Büros der Brüsseler Eurokraten über die Flure der UN bis in die Top-Ränge amerikanischer Elite-Universitäten sind fast alle etablierten Institutionen mit Vertretern einer Denkweise besetzt, die man als ‚Israel-Derangement-Syndrome‘ bezeichnen kann.
Ehemals linken Parteien, denen in Westeuropa wegen ihrer hartnäckig arbeiterfeindlichen Politik die eingeborenen Mündel weglaufen, suchen ihren Schwund an Einfluss zu kontern, indem sie muslimische Zuwanderer als Stimmvieh gewinnen. Sie posieren als Rettungsanker für frustrierte Migranten und andere Entwurzelte, die orientierungslos durch die Kälte urbaner Existenz stolpern. Ihre Droge heißt ‚Antizionismus‘. Sie verschmelzen die Alltagsnöte verwirrter junger Leute mit den angeblichen finsteren Machenschaften des Judenstaats. Der ist der Drahtzieher, der weltweit die Puppen tanzen lässt. Fühlen sich Millennials durch Mieten oder Studienschulden bedrängt, gibt es einen kosmischen Sündenbock, dem sie die Schuld dafür geben können, und durch ihren Kampf gegen einen fiktiven Völkermord wandern sie auf die Seite der Guten, wo die unschuldigen Opfer des Kapitalismus mit allen ‚People of Color‘ aus dem ‚globalen Süden‘ für Diversität, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit kämpfen.
