Uwe Steimle ist ein in der Wolle gewaschener Linker. Befreundet mit Gregor Gysi, der das heute wahrscheinlich lieber nicht mehr hören möchte. Steimles Witze wurden von den Linken geliebt und bejubelt, als sie sich gegen die bösen Imperialisten und gegen Helmut Kohl richteten.
Mit dem Steimle, der seine Heimat, nicht nur die sächsische, sondern Deutschland als Kulturnation liebt, kommt die heutige woke Linke immer weniger klar. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.
Anlass ist eine Veranstaltung der AfD in Dessau, auf der Steimle den Saal mit seinen Witzen zum Kochen brachte. Er sagte über Merkel Ähnliches wie seinerzeit über Kohl. Was damals mit frenetischem Beifall der Linken bedacht wurde, ist heute Anlass zur Aufnahme von Ermittlungen nach § 126 des Strafgesetzbuches, der die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sanktioniert. Interessant ist, dass der berüchtigte § 188, der Politiker vor Beleidigungen schützt, außen vor bleibt. Wahrscheinlich war der Staatsanwaltschaft klar, dass dies nicht den gewünschten Abschreckungseffekt gebracht hätte.
Im besten Deutschland aller Zeiten darf Satire sagen, dass der Teil der Bevölkerung, der dem Blinddarm rechts unten entspricht, ohne Schaden entfernt oder „Nazis“ gekeult, also getötet werden sollten, ohne dass die Staatsanwaltschaft auch nur mit der Wimper zuckt.
Wenn aber von einem Gemälde die Rede ist, das, wenn der Nagel bricht, an die Wand gestellt wird, soll das ein Aufruf zum Mord sein. Es kann nicht sein, dass der Staatsanwaltschaft nicht auffällt, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, was von der Öffentlichkeit sehr wohl bemerkt wird. Warum tut sie es trotzdem? Weil sie weisungsgebunden ist?
Dann Steimles Ruf nach Stauffenberg. Den kann man daneben, abscheulich oder verachtenswert finden. Aber auch ein misslungener Witz ist immer noch ein Witz.
Für Witze, gute oder schlechte, wurde man in Deutschland in zwei Diktaturen verfolgt. In welche Tradition stellt die Staatsanwaltschaft das beste Deutschland aller Zeiten?
Politiker, die nicht wahrhaben wollen, dass es ihre Politik ist, die den Souverän auf die Barrikaden treibt, sehen ihre Macht durch demokratische Wahlen in Gefahr. Deshalb soll die einzig wirkliche Opposition weg, sonst könnten zu viele Wähler ihr Kreuz an der falschen Stelle machen. Da sind auch so durchsichtige künstliche Aufreger über Steimles Anstimmen der DDR-Nationalhymne möglich.
Ab den 70er Jahren war der Text der Nationalhymne tabu. Er wurde nicht mehr gesungen, aus dem gleichen Grund, der Politbüromitglieder damals und woke Linke heute stört: „Deutschland, einig Vaterland“. In den letzten anderthalb Jahrzehnten war der Text ein Widerstandssymbol. Er erlebte 1989 ein regelrechtes Revival bei allen, die zur Vereinigung strebten. Der Linken, die den Vereinigungsprozess nicht verhindern konnte, ist die DDR-Nationalhymne ein Dorn im Auge.
Ihr Wutgeheul ist der Wundschmerz über die nie verwundene Niederlage.
