Es gibt zwei Erfindungen der DDR: Die Mauer, mit Tarnnamen Antifaschistischer Schutzwall und Zersetzungsmaßnahmen.
Die Mauer prägte während des Kalten Krieges die scheinbar unüberwindliche Architektur Europas. Sie trennte Osteuropa vom freien Westen – bis sie über Nacht ihrer Funktion beraubt wurde. Sie stand noch da, war aber bereits Legende. Der Fotograf Heiner Studt unternahm im Spätherbst 1990 mit Frau und Kind eine Fahrradtour entlang der Mauer und fotografierte den Zustand kurz vor dem Abriß des Bauwerks, das doch noch 100 Jahre stehen sollte. Die Ödnis der Brache atmete nicht mehr das Grauen der Teilung, und ihren ihren Irrwitz. Studt wußte , dass die Magie des Ortes bald zugekleistert sein würde, also dokumentiert werden musste. Die Fotos, die damals im einstigen Niemandsland entstanden, wurden zur Grundlage von Studts grafisch aufbereiteter Serie „Das Beben von Berlin“.
Studt, in Thüringen aufgewachsen, hatte im August !961 einen Reise nach Paris unternommen, wo er vom Mauerbau überrascht wurde, Anders als sein Freund kehrte er nicht in die DDR zurück, sondern wurde freischaffender Künstler in Hamburg. Anfang der 90er Jahre begegnete er Karsten Dümmel, einst hoffnungsvoller Nachwuchsautor in der DDR, dann, wegen mehr als 50 Ausreiseanträgen Zielobjekt von Zersetzungsmaßnahmen der Staatssicherheit. Dümmel beschreibt in seiner Novelle „Grenzverletzung“, wie die Zersetzung einen Autor erst vom Schreiben abhält, dann den Lebensmut nimmt. Den Suizid-Gefährdeten beobachtet die Stasi noch intensiver, damit er sich nicht durch Selbstmord der „gerechten Strafe“entzieht.
Das Buch der Autoren, lange Zeit nur als Privatdruck verfügbar, ist jetzt endlich für die Öffentlichkeit erhältlich.
