Von Hans Hofmann-Reinecke
Artemis II ist heute früh wie geplant im Pazifischen Ozean zur Erde zurückgekehrt. Die Mission hatte viele Gemeinsamkeiten mit dem Flug von Apollo 8, der uns 1968 die ersten Fotos von Mutter Erde als diesem blauen Planet im unendlichen Weltall beschert hatte. Was aber hat uns Artemis II gebracht? Welchen Fortschritt hat die Raumfahrt in den 58 Jahren seither gemacht?
Fortschritt
58 Jahre ist eine lange Zeit für technischen Fortschritt.
1903 gelang den Gebrüdern Wright der erste bemannte Flug über eine Strecke von 37 Metern. 58 Jahre später flog man routinemäßig über den Atlantik, zwischen London und New York – mit einen Glas Champagner vor sich.
Welcher Fortschritt wurde bei der NASA in den 58 Jahren seit Apollo 8 erzielt? Gut, man hat dort seit die beiden Teleskope „Hubble“ und „James Webb“ ins All geschossen, die der Astronomie ungeahnte neue Erkenntnisse ermöglichten. Chapeau! Doch was erreichte man in der bemannter Raumfahrt post Apollo?
Ein lunarer Boomerang
Im Dezember 1968 wurde Apollo 8 von einer Saturn V Rakete in die Erdumlaufbahn geschossen und von dort, nach ein paar Runden um den Heimatplaneten, durch die dritte Stufe der Saturn von 28.000 km/h auf 39.000 km/h beschleunigt. Das war die „Trans Lunar Injection“ (TLI). Die Kapsel hatte jetzt genug Speed, um sich aus der Erdumlaufbahn zu befreien und auf den Weg zum Mond zu machen. Damit der sie dann aber einfangen konnte musste die Kapsel jetzt Bremsraketen zünden. So kreiste man dann zu Weihnachten da oben herum und zündete nach den Feiertagen erneut Raketen, um sich vom Mond zu befreien und auf den Heimweg zu machen.
Nur sechs Monate später landeten dann Armstrong & Co da oben.
Die Reise von Artemis II verlief ähnlich wie Apollo 8, allerdings bremste sie nicht ab, um den Mund zu umkreisen. Sie ließ ihn links liegen, flog an ihm vorbei, und wurde letztlich doch von seiner Schwerkraft eingefangen und zurück auf Heimatkurs gelenkt. Bei dieser Reise musste also nach dem Schub zur Trans Lunar Injection keine Rakete mehr gezündet werden, die Kapsel flog spontan, wie ein Boomerang wieder nach Hause zurück, nachdem sie den Mond in gehörigem Abstand umrundet hatte.
Für die Bestimmung dieser Flugbahn musste da einiges berechnet werden. Aber das Profil von Artemis II war letztlich weniger anspruchsvoll als das von Apollo 8. Damals musste man sich ja auf die Triebwerke der Kapsel verlassen können, um vom Orbit um den Mond Abschied zu nehmen. Warum hat Artemis den Mond nicht umrundet, jetzt, wo man schon mal da war? Vielleicht wollte man die dafür notwendigen Brems- und Beschleunigungsmanöver vermeiden. Man hatte vielleicht noch die Pannen im Gedächtnis, als im Februar 2025 Butch Wilmore und Suni Williams durch einen „Crew Dragon“ von SpaceX aus der ISS befreit werden mussten, weil man dem Boeing Starliner nicht vertraute.
Das magische Jahr
Bei allem Respekt vor den Leistungen, die Artemis II ermöglicht haben, so ist doch der Vergleich mit der über ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Apollo 8 Mission ernüchternd. Gut, es waren eine Frau an Bord und ein Mann dunkler Hautfarbe, aber welcher Fortschritt ist das für die Raumfahrt? Vielleicht ist auch ein im Sternzeichen der Waage geborener an Bord. Na und? Warum gab es keinen wirklichen Fortschritt?
1968 steht ja nicht nur für Apollo 8, es steht auch für eine politische Bewegung, welche die westliche Welt grundlegend verändert hat. Wohlwollend könnte man sie als Sieg der Gesinnungsethik über die Verantwortungsethik beschreiben; d.h. bei Entscheidungen kommt es primär darauf an, wie man sich fühlt, die Folgen sind weniger relevant. Etwas kritischer könnte man es auch anders ausdrücken: Der Teil der Gesellschaft, der entweder nicht in der Lage oder nicht willens ist, etwas Nützliches zu leisten, hat nach dem „Marsch durch die Institutionen“, enorme Macht errungen und prägt heute Politik, Wirtschaft und Akademia nach seinem Willen. Wichtiger als Qualifikation ist jetzt die Zugehörigkeit zu einer favorisierten Quote.
Die verheerenden Folgen dieser Bewegung sind in den westlichen Ländern inzwischen deutlich zu spüren, und es ist denkbar, dass auch die NASA von diesem Virus befallen wurde.
Wie effizient eine strikt leistungsorientierte Organisation auch heutzutage arbeiten kann, das zeigt Elon Musk in SpaceX. Sein Motto: Wir erwarten sehr hohe Leistung. Wer weniger bringt wird nur kurze Zeit toleriert.
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