Tauwetter

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Was gestern fest wie Eis im kalten Reiche schien,
Zerschmilzt im lauen Hauch der neu erwachten Tage;
Der Frost, des Winters Stolz, erhebt nun faule Klage,
Da Winde, warm und sanft, ihm die Beständ’ entzieh’n.

Das Starre, lang gepresst, beginnt sich aufzuschieben.
Ein jeder Tropfen zeigt, zu weichem Tau zerrieben,
Was hart und fest gewesen. Die Macht kann bald zerstieben,
Und Zwang entschwindet rasch, wie Rauch vom Wind vertrieben.

O Mensch, erkenn dich selbst im schmelzenden Kristall:
Dein Ruhm, dein Leib, dein Mut, sind Schnee im Sonnenstrahl.
Was heute hoch sich hebt, wird morgen sich verlieren.

Doch lerne, eh die Zeit dein bangend Herz verzehrt,
Dass nur, wer sich
mit Mut im rechten Augenblick hin kehrt,
das Schmelzen zu befördern, nicht völlig muss erfrieren.

 

mit freundlichem Gruß

BB

 



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