Von Sven Lingreen
Die Einhorn-Ausstellung im Museum Barberini in Potsdam ist noch bis zum 01. Februar 2026 zu sehen und gehört zu den außergewöhnlichsten Präsentationen der letzten Jahre. Sie nähert sich dem Einhorn nicht als bloßem Fabelwesen, sondern als kulturellem Leitmotiv, dessen Bedeutung sich über Jahrhunderte hinweg stetig wandelte.
Herausragend ist ein Wandteppich aus Brandenburg an der Havel, der hier eine Bühne erhält, die seiner kunsthistorischen Bedeutung gerecht wird.
In späteren Räumen wird das Thema spielerischer und zugleich irritierender: Ein lebensgroßes schwarzes Einhorn liegt entspannt auf dem Parkett, umrahmt von modernen und symbolistischen Deutungen und ungewöhnlichen Hybridwesen. Die Ausstellung öffnet Assoziationsräume – bis hin zu Popkultur-Referenzen, etwa zu den Wandteppichen im Gryffindor-Gemeinschaftsraum aus den „Harry Potter“-Filmen, die plötzlich wahrgenommen werden.
Diese gelungene Schau beantwortet auf elegante Weise die oft gestellte Frage, warum man sich „alte Dinge“ im Museum ansehen sollte: weil sie noch heute Bedeutung erzeugen, Emotionen auslösen und den Blick auf unsere Gegenwart schärfen. Potsdam liefert dafür ein überzeugendes Beispiel. Wer sich noch in die Welt der Einhörner begeben will, sollte seines schnell satteln, denn sie grasen nur noch bis zum 01. Februar im Museum-Barberini.de
