Die Ursachen für den beispiellosen Niedergang Deutschlands – ein Rückblick aus dem Jahre 2054

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 Von Gastautor Wulf Bennert

In der aktuellen Flutkatastrophe ist der beginnende Niedergang Deutschlands bereits sichtbar geworden. Der Katastrophenschutz befindet sich auf dem Niveau eines Entwicklungsklandes. In Wulf Bennerts Dystopie „2054 – ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit“ hat sich Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte aus einem vermeintlich reichen Land in ein Armenhaus verwandelt. Die Protagonistin des Romans wird von der Frage umgetrieben, wie ein solch dramatischer Niedergang überhaupt geschehen konnte. Da bekommt sie einen Brief von einem Funktionsträger des Systems, der sie aufklärt.

Aus dem  Brief des Kommissars:

Welche Risiken bewirkten maßgeblich die Verarmung Deutschlands?

Am Anfang des sichersten Weges zum wirtschaftlichen Ruin unseres Landes stand die Überzeugung, dass der Mensch das Klima retten könne und dies auch tun müsse, wenn er denn auf dieser Erde weiterleben will. Sie entwickelte sich zu einer Ideologie mit dem Anspruch auf absolute Gültigkeit ihrer Thesen: Seit 190 Jahren Industrialisierung – seit 190 Jahren Erderwärmung durch menschlich erzeugtes CO2 – Weitere Erwärmung führt zur Apokalypse – drastische Maßnahmen sind zur Abwendung der Katastrophe erforderlich – Opfer müssen gebracht werden – kein Preis ist zu hoch.

Seit dem Beginn der Industrialisierung hatte sich die Wirtschaft in der westlichen Welt nach einer Art Darwinschem Prinzip entwickelt: Die Steigerung von Effektivität und Effizienz brachte evolutionäre Vorteile und sicherte den Unternehmen das Überleben; wer bei dieser Evolution nicht mithalten konnte, schied aus dem Wirtschaftsleben aus. Über einen Zeitraum von 150 Jahren wirkte damit die Steigerung von Effektivität und Effizienz überaus erfolgreich als Triebkraft des industriellen Strukturwandels. Das auf diesem Prinzip beruhende Wachstum des Wohlstands der Menschheit war enorm; vor allem in den Dezennien um die Jahrhundertwende gelang eine kaum für möglich gehaltene Verminderung der Armut auf der Welt.

In den ersten Jahren unseres Jahrhunderts kam die Maxime auf, dass für die Rettung des Klimas eine „Große Transformation“ erforderlich sei, mit einem Strukturwandel der Industrie, der völlig neue Triebkräfte benötige. Wie das gemeint war, kann man heute noch in einem Gutachten des „Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ aus dem Jahre 2011 mit dem Titel „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ nachlesen:

„Die bisherigen großen Transformationen der Menschheit waren weitgehend ungesteuerte Ergebnisse evolutionären Wandels. Die historisch einmalige Herausforderung bei der nun anstehenden Transformation zur klimaverträglichen Gesellschaft besteht darin, einen umfassenden Umbau aus Einsicht, Umsicht und Voraussicht voranzutreiben.“

Über das gewaltige Ausmaß des Vorhabens bestand bei den Mitgliedern des Beirates kein Zweifel; sie schrieben:

„Das Ausmaß des vor uns liegenden Übergangs ist kaum zu überschätzen. Er ist hinsichtlich der Eingriffstiefe vergleichbar mit den beiden fundamentalen Transformationen der Weltgeschichte: der Neolithischen Revolution, also der Erfindung und Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht, sowie der Industriellen Revolution, die …… den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft beschreibt.“

Die bewährten Triebkräfte des wirtschaftlichen Strukturwandels sollten durch die Einsicht, Umsicht und Voraussicht von Politikern ersetzt werden. Transformationen der Gesellschaft mit einer Steuerung der Wirtschaft durch die begrenzte Weisheit der Politik hatte es in der Historie der Menschheit durchaus schon früher gegeben; ihr Ausgang hätte dem „Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ eine Warnung sein können.

So wurde vor anderthalb Jahrhunderten schon einmal der gezielte Versuch eines tiefgreifenden Umbaus der Gesellschaft unternommen; er begann im Oktober 1917 mit der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ in Russland, breitete sich über große Teile der Welt aus und wurde erst nach mehr als 70 Jahren als offensichtlich gescheitert beendet. Sein hehres Ziel war die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Schaffung einer gerechten sozialistischen Ordnung. Die Erkenntnis der Untauglichkeit dieses Gesellschaftsexperiments war schließlich mit dem Leiden unzähliger Menschen, mit Hungersnöten und geschätzten hundert Millionen Menschenleben viel zu teuer bezahlt.

Beide Weltverbesserungprojekte sind durch ein gemeinsames Merkmal gekennzeichnet:  Die „ungesteuerten“ Triebkräfte gesellschaftlichen Fortschritts, das Streben nach gesteigerter Effektivität sowie die Verbesserung von Effizienz wurden in ihnen weitestgehend außer Kraft gesetzt. An ihre Stelle trat ein omnipräsenter Dirigismus, der praktisch in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens eindrang und es dabei dramatisch veränderte. Wirtschaftliche Entscheidungen traf man nicht mehr nach ökonomischen Kriterien sondern nach ideologischen Prinzipien. So wurde 1931 in der UdSSR beschlossen,  innerhalb weniger Jahre sämtliche heimischen Getreidearten in vielfältiger Weise zu verbessern und zugleich an alle Anbaugebiete anzupassen – ein Vorhaben, das genauso unrealistisch war, wie der in Deutschland einstmals geplante Ersatz von einer Million herkömmlicher Fahrzeuge durch Elektroautos bis zum Jahre 2020.

In der Sowjetunion durfte der linientreue Agrarwissenschaftler Trofim Denissowitsch Lyssenko die Landwirtschaft bizarren Experimenten unterziehen. Er proklamierte als wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Eigenschaften von Kulturpflanzen und anderen Organismen nicht durch Gene, sondern nur durch Umweltbedingungen bestimmt würden. Dieses Postulat war konform mit der Staatsdoktrin, dass die angestrebte schnelle Entstehung des „Sowjetmenschen“ unabhängig von erblichen Einflüssen durch eine entsprechende Erziehung zu erreichen sei. So ordnete er Artumwandlungen“ von Getreidesorten an, bei denen unter Kälteeinwirkung aus Weizenkörnern Roggenpflanzen hervorgehen sollten. Wissenschaftler, die den Behauptungen Lyssenkos kritisch gegenüberstanden, wurden durch Rufschädigung aus ihren Stellen verdrängt oder wegen „Kooperation mit Feinden des Volkes“ verhaftet – die Parallele zum heutigen Umgang mit „Klimaleugnern“ drängt sich auf. Das Ergebnis der groß angelegten dirigistischen Eingriffe des hochdekorierten Agrarwissenschaftlers in die Landwirtschaft waren schwere Hungersnöte.

Unter Lyssenkoismus versteht man danach die Manipulation der Wissenschaft durch ideologische Voreingenommenheit, um damit ein vordefiniertes Ergebnis zu erreichen. Nach dieser Definition ist der Lyssenkoismus durchaus nicht tot, sondern feierte in unserer Landwirtschaftspolitik fröhliche Auferstehung. Im Jahre 2020 betrug der Anteil der Subventionen an den Erlösen der Biobauern bereits fünfundsiebzig Prozent. Dieses deutliche Warnsignal hinderte die Verantwortlichen nicht daran, nur wenige Jahre später den vollständigen Übergang von der konventionellen Landwirtschaft zum Ökolandbau zu verfügen. Zuvor waren allenfalls zwanzig Prozent der Käufer willens und in der Lage, die teuren Ökoprodukte zu kaufen. Mit der umfassenden gesetzlichen Durchsetzung der ökologischen Landwirtschaft standen den billigen Produkten aus dem Ausland auf dem Markt nur noch teure einheimische Ökoerzeugnisse gegenüber. Achtzig Prozent der Käufer waren mit den hohen Preisen für solche einheimischen Grundnahrungsmittel objektiv überfordert und kauften stattdessen die Importwaren. Schutzzölle oder Handelsbeschränkungen kamen aus schwerwiegenden politischen Gründen nicht infrage, und Förderungen in einer Höhe, die einheimische Produkte konkurrenzfähig gemacht hätte, waren unbezahlbar geworden. Damit blieb als einziger Ausweg die Devastierung der Ackerflächen zu ideologisch korrekten Blumenwiesen und die Versorgung der Bevölkerung fast ausschließlich mit importierten Nahrungsmitteln – ein Armutsrisiko für das Land. Um die Ausgaben für diese Importe zu begrenzen, wurde im Jahre 2040 parallel zum Verbot des Verkaufs von Fleischwaren, Kuhmilch und Eiern die streng vegane Ernährungsweise im Land gesetzlich festgeschrieben: zuerst beim Essen in Schulen und Kitas, darauf in allen Gaststätten und Hotels; schließlich erklärte man mit dem Gesetz zur Sicherung einer auschließlich gesunden Ernährungsweise (GeSiagesEr) in §9 auch die Zubereitung nichtveganer Gerichte im privaten Bereich zu einer Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von zweitausend Neuro zu ahnden war.

Die „Große Transformation“ unseres Jahrhunderts verlangte mit dem hehren Ziel einer Errettung der Menschheit vor der Klimakatastrophe vor allem den Verzicht auf etwas, das den früheren Wohlstand überhaupt erst ermöglicht hatte: kostengünstige und stets verfügbare Energie aus fossilem Kohlenstoff, aber auch aus Kernspaltung. Die „klimafreundlichen“ Alternativen warfen uns in das Zeitalter der Windmühlen mit seiner unbeeinflußbaren Energieerzeugung zurück, in der Verträge mit den Windmüllern unter dem Vorbehalt standen: „Wenn der Wind weht“. Die angeblich so vorteilhafte Stromerzeugung aus Sonne und Wind führte zu den weltweit höchsten Strompreisen und einem Verlust der Versorgungssicherheit mit elektrischem Strom – ein schwerwiegendes Armutsrisiko und schließlich zu dem großen Blackout des Jahres 2024. Dieser von Deutschland verschuldete Ausfall der Energieversorgung im gesamten Europäischen Verbundnetz für den Zeitraum von acht Tagen kostete nach geheim gehaltenen Informationen weit mehr als hunderttausend Menschen das Leben. Sie starben als Patienten von Intensivstationen und Dialysezentren, in steckengebliebenen Fahrstühlen, aus denen sie nicht rechtzeitig befreit werden konnten, in den Gondeln von Skiliften, bei gewaltsamen Auseinandersetzungen um Lebensmittel, aber auch deshalb, weil über diesen Zeitraum keine ärztliche Hilfe möglich war für Betroffene von Herzinfarkten, Schlaganfällen, Vergiftungen und Unfällen. Aber auch der wirtschaftliche Schaden war gigantisch. In so gut wie allen Anlagen der industriellen Nutzviehhaltung kamen die Tiere um, weil sich ihre automatisierte Versorgung mit Futter, Wasser und Frischluft genauso wie die Funktion der Melkautomaten nicht durch Handarbeit ersetzen ließ. Sämtliche Lebensmittel mit Kühlungsbedarf waren verdorben. Der Produktionsausfall dauerte in den meisten Betrieben länger als der Stromausfall, weil ihre Produktionslinien eine Anlaufphase benötigten. Der gesamte durch den Blackout in Deutschland verursachte Schaden dürfte mit zweieinhalb Billionen Euro nicht zu hoch angesetzt sein und stellt damit einen großen Schritt Deutschlands auf seinem Weg nach unten dar, den man ebenfalls als Armutsrisiko bezeichnen kann.

Dabei war dieser Blackout eine Katastrophe mit Ansage. Die planmäßige Abschaltung aller Kohle- und Kernkraftwerke bis zum Jahr 2038 ohne den gleichzeitigen Aufbau anderer regelbarer Erzeugerkapazitäten musste zwangsläufig während der ständig wiederkehrenden Dunkelflauten zu einem gefährlichen Defizit an Elektroenergie führen – ein paar Nonkonformisten unter den Fachleuten hatten davor gewarnt. Besonders widersinnig erscheint dabei das starrsinnige Festhalten am dem durch „Klimaschutz“ nicht zu rechtfertigenden Verzicht auf Kernenergie, während die Nachbarländer neue, sichere Kernkraftwerke planten und errichteten. Nach mehreren Jahren, in denen deutsche Stromverbraucher ständig kontrollierte, als „Spitzenglättung“ bezeichnete Abschaltungen erdulden mussten, hatten einige Nachbarländer ihre Kapazitäten soweit ausgebaut, dass sie die Defizite Deutschlands ausgleichen konnten. So wurde das Land zum permanenten Nettoimporteur von Elektroenergie – ein wesentliches Armutsrisiko.

Die mit deutscher Gründlichkeit betriebene Rettung  des Klimas hatte für das Land noch weitere einschneidende Folgen. Mit der CO2 – Steuer auf die Emission von Kohlendioxid sollte die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas wirtschaftlich so unattraktiv gemacht werden, dass man lieber darauf verzichtete. Die Steuer wurde 2021 erstmalig in einer Höhe von 25 Euro pro Tonne CO2 erhoben – ein Betrag, der bis 2026 auf 65 Euro anstieg. Dabei ignorierte man geflissentlich, dass diese Abgabe nicht mit den anderen EU-Ländern und schon gar nicht mit dem Rest der Welt abgestimmt war. Es entstanden daraus gavierende Wettbewerbsnachteile der deutschen Wirtschaft im internationalen Handel, die ein weiteres Armutsrisiko darstellten. Die Vorstellung, dass man die Nachteile über einen „Klimagrenzabgabe“ genannten Zoll kompensieren könne, war von vornherein illusorisch, denn sie widersprach dem bis dahin sakrosankten Prinzip des Freihandels.

Der mit „Einsicht, Umsicht und Voraussicht vorangetriebene Umbau der Wirtschaft“ forderte weitere Opfer. Mit der Begründung der Notwendigkeit einer „Klimarettung“ stimmte Deutschland den „Klimazielen“ der EU zu, die unter anderem eine kontinuierliche Senkung des zulässigen durchschnittlichen CO2  – Ausstoßes sämtlicher Fahrzeugflotten verlangten. 2017 lag dieser Ausstoß für die in Deutschland neu verkauften Pkw noch bei 127,1 Gramm pro Kilometer; bis 2030 musste er auf  59,4 Gamm pro Kilometer gesenkt werden. Mit einem Verbrennungsmotor ließen sich solche Werte nicht mehr erreichen. In vorauseilendem Gehorsam verbot Deutschland die Herstellung des Verbrennungsmotors schon ab 2030 und nötigte die Autoindustrie zur Produktion des völlig realisitätsfremd als „emissionsfrei“ eingestuften Batterieautos. Bei der Fertigung von hochwertigen Autos mit Verbrennungsmotor war Deutschland führend in der Welt gewesen – die technisch simplen Batterieautos ließen sich in China und Indien viel billiger herstellen. Im Jahre 2020 hingen in Deutschland noch eine Million Arbeitsplätze von der Autoindustrie ab; sie wurden durch den befohlenen Strukturwandel bewusst aufs Spiel gesetzt. Heute, im Jahre 2064, sind davon kaum zehntausend übrig geblieben. Die verantwortlichen Politiker (und nicht zu vergessen: auch Politikerinnen in Ministerrang) hatten mit ihren „einsichtigen, umsichtigen und voraussehenden“ Entscheidungen der deutschen Wirtschaft das Rückgrat gebrochen – ein erhebliches Armutsrisiko.

Ein kostspieliges Abenteuer war der Versuch des Staates, dem Batterieauto zum Durchbruch zu verhelfen. Für den Kauf eines solchen Fahrzeugs wurden die Käufer mit Summen aus Steuermitteln belohnt, die an Bestechung grenzten, und in die Förderung der Ladeinfrastruktur flossen Milliarden. Ein Fiasko des Projektes war vorhersehbar; der Aufbau einer flächendeckenden Struktur wäre eine Generationenaufgabe gewesen, ihre zuverlässige Versorgung mit Energie stellte ein unlösbares Problem dar. Um das Scheitern zu kaschieren, verbot man schließlich generell die private Nutzung von Pkw. Es bleibt festzuhalten: Auch der dirigistische Ausflug in die Batteriemobilität stellte ein Armutsrisiko dar.

In die Liste der Armutsrisiken gehört auch die „Nationale Wasserstoffstrategie“. Wasserstoff galt in den Zwanziger Jahren als das „Erdöl von morgen“. Doch Wasserstoff ist keineswegs eine Energiequelle wie Erdöl. Der energetische Aufwand für seine Herstellung übertrifft bei weitem die Energie, die sich aus ihm wieder gewinnen lässt. Das machte seine Verwendung zu einem extrem teuren Unterfangen. Dessen ungeachtet startete man eine klimaideologisch motivierte Verhüttung von Stahl mit „grünem“ Wasserstoff, die schließlich der deutschen Stahlindustrie den Garaus machte – noch ein Armutsrisiko für das Land. Dabei hatte man die Wissenschaft augefordert, Basisinnovationen zu liefern, die Deutschland die „Weltmarktführerschaft bei Wasserstofftechnologien“ sichern. Doch den Wunderwaffen im Kampf um den Sieg Deutschlands gegen den Klimawandel standen physikalische Fakten im Wege, die sich auch mit noch so üppigen Fördermitteln nicht wegräumen ließen. Ein besonders ärgerliches Beispiel dafür war die hohe Bindungsenergie des Wasserstoffatoms an den Sauerstoff.

Deutschland ist nicht nur durch den vermessenen Glauben der herrschenden Eliten, sie könnten den Strukturwandel der Wirtschaft bestimmen, seiner Zukunft beraubt worden; auch auf anderen Gebieten hatte ihr Mangel an Einsicht und Umsicht verheerende Auswirkungen. So stellte die Normenzerstörung im Bildungswesen ein dramatisches Armutsrisiko dar. In einem rohstoffarmen Land ist die Bildung der darin lebenden Menschen die wichtigste Ressource. Mit dem Beginn der massiven Zuwanderung von Armutsflüchtlingen im Jahre 2015 war auch ein Zustrom von Kindern in die Schulen verbunden, welche die deutsche Sprache nicht beherrschten. Schon bald stellten sie – vor allem in den Ballungszentren – die Mehrheit der Schülerschaft, die einem Unterricht mit dem bisherigen Anspruchsniveau nicht folgen konnte. In Verbindung mit pädagogischen Experimenten, wie Verzicht auf Schulnoten und dem Verbot des Sitzenbleibens, führte dies zu einer dramatischen Absenkung des Leistungsniveaus in allen Fächern. Eine exzessive Durchsetzung des Prinzips der Inklusion tat ihr übriges. Der Verfall des Bildungsniveaus diffundierte von den algemeinbildenden Schulen bis in die Universutäten.

Ein langfristig wirksames Armutsrisiko wurde zu Beginn der Dreißiger Jahre mit der großen Einwanderungswelle gesetzt, die der Grenzöffnung für Armutsmigranten durch die von den Grünen dominierte Partei der Vereinigten Demokraten folgte. Die Qualifikationen der massenhaft zuströmenden Einwanderer entsprachen nicht den Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft, die sich zudem in einem dramatischen Schrumpfungsprozess befand. Trotzdem wurden ihnen Sozialleistungen zugestanden, die das System – wie auch den Wohnungsmarkt – hoffnungslos überforderten. Eine Zurückweisung der Immigranten war aus politischen Motiven ausgeschlossen, und so ließ sich die Problematik nur durch eine signifikante Absenkung des Lebensstandards der Stammbevölkerung notdürftig lösen.   

Zu den bereits benannten Ursachen für Deutschlands Armut ist noch der völlig inkompetente, ja dilettantische Umgang der Regierung mit dem Virus Covid 2 in den Jahren 2020 und 2021 hinzuzufügen. Die vorangegangene, sehr aufwändige und unter Mitwirkung des Robert-Koch-Instituts und mehrerer Bundesämter durchgeführte Katastrophenübung „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ des Jahres 2012 hatte keinerlei Lerneffekt bei den Verantwortlichen unter der Führung der damaligen Bundeskanzlerin bewirken können. Als der Ernstfall eintrat, fiel ihnen nicht viel mehr ein, als einen Lockdown zu perpetuieren, dessen wirkungsarme Maßnahmen sie immer wieder konzeptlos veränderten. Als Maß für die Verbreitung der Krankheit in der Bevölkerung wurde die „Inzidenz“ gewählt – eine völlig untaugliche Kennzahl, welche vielmehr als die Verbreitung der Krankheit das Testgeschehen widerspiegelte. Sinnvoll wäre stattdessen die kontinuierliche Kontrolle einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung gewesen. Die durch diesen Lockdown auf vielfache Weise provozierten Verluste an menschlichen Lebensjahren überstiegen die Summe der durch seine Verhängung geretteten Lebenszeit deutlich. Seine wirtschaftlichen Schäden entzogen sich einer genauen Berechnung und konnten mit mehr als einer Billion Euro nur geschätzt werden. Damit ist auch der Schaden durch den Umgang mit der Infektionskrankheit Covid 19 unter die Armutsrisiken für Deutschland einzuordnen.

Es sei noch erwähnt, dass Covid 19 durchaus die Macht des Staates stärkte. Mit dem Niedergang des Mittelstandes während des Lockdowns wuchs die Zahl der von staatlichen Zuwendungen abhängigen Menschen im Land. Durch finanzielle Unterstützung dieser neuen Transferempfänger konnte man den Widerstand gegen eine Politik reduzieren, die Unternehmen und Arbeitsplätze vernichtete.

Die Liste der Armutsrisiken wäre unvollständig ohne die Erwähnung des Risikos der Implementierung sozialistischer Strukturen in der Wirtschaft. Die Einführung von Staatseigentum an Produktionsmitteln erfolgte nicht systematisch, sondern eher sporadisch. So wurden Immobilienfirmen in der ehrenwerten Absicht enteignet, durch die Änderung der Besitzverhältnisse die Mieten bezahlbar werden zu lassen. Banken mussten durch Verstaatlichung „gerettet“ werden, und die Stahlindustrie floh vor der unlösbaren Aufgabe, Stahl wirtschaftlich mit Wasserstoff zu verhütten, unter die Fittiche des Staates, wo sie friedlich ihrem Ende entgegensiechte. Auch zwei Pandemien boten dem Staat lukrative Möglichkeiten, sich wirtschaftlich taumelnder Betriebe zu bemächtigen. Die Flucht von Unternehmen in die „Solidarwirtschaft“ bot ihnen die Befreiung von den Zwängen des gewinnorientierten Agierens; Work-Life-Balance trat an die Stelle des ständigen Strebens nach höherer Effizienz. Die Erfahrungen mit allen Spielarten des Sozialismus, die es auf der Welt gab, zeigten eines: Die Produktivität seiner Lenkungs- und Befehlswirtschaft ist so gering, dass sie ein echtes Armutsrisiko darstellt.

Die Aufzählung der Armutsrisiken umfasst, obwohl sie nicht vollständig ist, zwölf Ursachen des Niedergangs, von denen bereits ein Bruchteil ausgereicht hätte, Deutschland in die jetzige bittere Armut zu stürzen. Dabei war Deutschland schon vor dem verheerenden Wirken der genannten Einflüsse zu Beginn unseres Jahrhunderts keineswegs ein reiches Land, wie es damals fälschlich behauptet wurde. Tatsächlich musste ein ständig wachsender Teil seines überbordenden Sozialsystems durch die Aufnahme neuer Schulden finanziert werden. Dabei konnte der offiziell ausgewiesene explizite Teil seiner Verschuldung mit zwei Billionen Euro vielleicht noch als tragfähig gelten. Doch es gab auch implizite Schulden (Schattenschulden), die sich wegen des primitiven kameralistischen Buchhaltungssystems des Staates nur schätzen ließen. Sie setzten sich aus verschiedenen, zukünftig fälligen, zum großen Teil durch den demografischen Wandel bedingten Verbindlichkeiten zusammen. Den größten Einzelposten stellten die Pensionszusagen für Beamte dar. Diese Schattenschulden   erhöhten die Gesamtverschuldung Deutschlands auf mehr als fünf Billionen Euro – eine Last, die das Land auch in einem Jahrhundert nicht hätte abtragen können. Das Land hatte also dem Prozess seiner Verarmung nichts entgegen zu setzen.

 Wie vollzog sich nun Deutschlands Niedergang gesellschaftlich und politisch?

Die für die Rettung des Klimas vorgeblich notwendige „Große Transformation“ verlangte von der Bevölkerung einen beispiellosen Wohlstandsverzicht und eine außerordentliche Opferbereitschaft. Schon die russischen Revolutionäre unter Lenin hatten erkannt, dass sich eine solche Leidensfähigkeit in demokratischen Strukturen kaum kultivieren lässt. Auch die Parteieliten des 21. Jahrhunderts verzichteten auf den Fortbestand solch hinderlicher Strukturen und begannen, über Parteigrenzen hinweg eine Oligarchie der Politeliten aufzubauen, in der Ämter nicht mehr durch Wahlen gewonnen, sondern in Hinterzimmern ausgekungelt wurden. Man verschob die Ausübung der Macht zunehmend von der nationalen Ebene in unkontrollierbare supranationale Strukturen einer Rest-EU, die nach den Austritten von England, Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Finnland und den baltischen Staaten übrig geblieben war. Das kapitalistische System befand man als „klimauntauglich“ und beschritt konsequent den Weg zu einer sozialistischen „Solidarwirtschaft“. Flankiert war diese Entwicklung durch eine umfassende Kontrolle von Medien, Kultur und politischer Willensbildung. Und die Realität erfuhr eine neue Definition: Was real war, bestimmte der politisch-mediale Komplex. Bemerkenswert: Je undemokratischer es zuging, desto verschwenderischer wurde der Begriff „demokratisch“ benutzt.

Begünstigt durch das fast vierzig Jahre andauernde Fehlen einer Oppositionspartei konnte sich eine privilegierte Funktionärskaste herausbilden, die von den Einschränkungen der Genügsamkeitspolitik nicht betroffen ist. Sie betrachtet den Staat als ihre Beute und übt sich in Vetternwirtschaft und Korruption. Kritiker des Herrschaftsgeschehens können heute dank einer perfektionierten elektronischen Überwachung leichter aufgespürt werden als früher. Über das Amt für Vollbeschäftigung kann man ihnen mit ihrer Arbeit die materielle Basis eines bürgerlichen Lebens entziehen; wenn das nicht hilft, finden einige neue Strafgesetze Anwendung.

Zum Regieren gehört jedoch nicht nur die Passivierung von wenigen Dissidenten, es steht auch aktuell das Problem, die breite und inzwischen ethnisch ziemlich inhomogene Masse des Volkes ruhig zu halten, von der mehr als dreißig Prozent arbeitslos sind und von bedigungsloser Grundsicherung leben müssen. Ihren Wünschen nach einer Verbesserung des Lebensstandards wird mit einer Propaganda begegnet, die Armut zur Genügsamkeit verklärt und Anspruchslosigkeit zur höchsten Tugend erhoben hat. Der Leitspruch „Zu wahrem Reichtum gelangen wir nur durch unseren demokratischen Verzicht auf Überfluss“ ist allgegenwärtig. Darüber hinaus gibt es eine stimmungsaufhellende Volksdroge, die in staatlichen Läden zu Preisen unterhalb der Gestehungskosten abgegeben wird. Doch wie die Erfahrungen zeigen, reichen diese beiden Strategien zur Ruhigstellung der prekären Bevölkerungsschicht noch nicht aus. Deshalb wurde vor fünf Jahren das Programm „Virtual Reality 4 You“ gestartet. Es umfasst die kostenlose Lieferung der Hardware, die zur Konsumption von virtueller Realität erforderlich ist, an Empfänger von Grundsicherung. Für die Ruhigstellung seiner Nutzer hat es sich als außerordentlich wirksam erwiesen und sollte eigentlich schon vor einem Jahr abgeschlossen sein. Ein komplizierter Schlüssel der Priorisierung verursachte in Verbindung mit Lieferschwierigkeiten der Solidarwirtschaft einen zeitlich noch nicht zu beziffernden Rückstand.

Die kostenlosen Leistungen des Gesundheitssystems sind auf das Allernotwendigste reduziert worden und stehen zudem nur noch Patienten bis zu einem Lebensalter von siebzig Jahren uneingeschränkt zur Verfügung. Trotzdem ist das Problem des viel zu hohen und dabei sogar ständig wachsenden Anteils der Bevölkerung an alten, multimorbiden und vor allem dementen Menschen immer noch ungelöst. Die Standards für ihre Aufbewahrung in Alten- oder Pflegeheimen sind in den letzten Jahren auf ein früher unvorstellbar niedriges Niveau heruntergeschraubt worden. Dennoch müssen zur Verhinderung eines Kollapses im System der Altenbetreuung weitergehende Strategien genutzt werden. Dazu gehört die großzügige Genehmigungspraxis für Anträge auf aktive Sterbehilfe, die neuerdings auch durch die gesetzlichen Betreuer von nicht mehr geschäftsfähigen Alten gestellt werden dürfen. Sie werden dafür nach einer attraktiven Honorarordnung aus staatlichen Mitteln vergütet.

Und was ist in unserer Gesellschaft aus dem Geld geworden? Es heißt, dass Geld einstmals zur Erfüllung dreier Bedürfnisse erfunden wurde:

  1. Es hat als Tauschmittel gegen alle Waren und Dienstleistungen zu dienen.
  2. Es ist der Maßstab für den Wert einer Ware oder Dienstleistung.
  3. Es soll ein beständiges Wertaufbewahrungsmittel sein.

Doch es hat sich gezeigt, dass Geld zusätzlich noch die sogenannte Kopfkisseneigenschaft aufweisen sollte:

  1. Sein Besitzer muss uneingeschränkt darüber verfügen und es jederzeit auch unter das Kopfkissen legen können.

Unser Geld ist der digitale Neuro, den wir niemals in die Hand bekommen. Genauso wie materialisiertes Papiergeld besitzt er keinen inneren Wert, sondern existiert allein durch das Vertrauen seiner Besitzer darauf, dass er die obigen Bedürfnisse auch erfüllt. Bei seiner Einführung hieß es, sie werde Schwarzarbeit, Drogenmissbrauch und Eigentumskriminalität wirksam verhindern. Diese Prognose hat sich nicht erfüllt. Nach den Erfahrungen der letzten großen Inflation in den Zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts, bei der das Geld Gefahr lief, zu papierenem Abfall zu verkommen, ist das Mißtrauen der Menschen gegenüber der Wertaufbewahrungsfunktion des digitalen Geldes noch gewachsen. und weil dem digitalen Zahlungsmittel die „Kopfkisseneigenschaft“ abgeht, haben sie das Gefühl, es handele sich nicht um echtes Geld. Deshalb entstanden alternative Währungen mit dieser Eigenschaft wie Dollar und Gold, mit denen Schwarzarbeit, Drogenmissbrauch und Eigentumskriminalität die Zeiten überdauert haben. Unsere Funktionärskaste wird ihnen trotz aller Beteuerungen wohl niemals ernsthaft den Kampf ansagen, sind sie doch auch das Schmiermittel einer blühenden Korruption.

Liebe Carlotta, zum Schluss meines langen Briefes möchte ich noch den Versuch unternehmen, die zwölf aufgeführten Ursachen für die Talfahrt unseres Landes in die Armut einer Wertung zu unterziehen. In der nachstehenden Tabelle soll die Zahl der Punkte in einer Zeile ein Maß für die Folgenschwere des jeweiligen Armutsrisikos sein. Grundlage dieser Beurteilung ist nur meine ganz persönliche Einschätzung – Du verstehst sicher, dass ich mich über solche Fragen mit keinem Menschen austauschen konnte.

Ich umarme Dich!

Alexander

 

ArmutsrisikoFolgenschwere
Normenzerstörung im Bildungswesen●●●●●●●●●●
Einführung sozialistischer Wirtschaftsstrukturen●●●●●●●●●●
Wettbewerbsnachteile durch CO2 – Steuer●●●●●●●●
Überlastung des Sozialsystems durch Massenimmigration●●●●●●●●
Weltweit höchste Strompreise●●●●●●
Untergang der Autoindustrie●●●●●●
Notwendigkeit der Importe fast aller Nahrungsmittel●●●●●
Nettoimport von Strom●●●●●
Verlust der Stahlindustrie●●●●
Großer Blackout des Jahres 2024●●●
Ausflug in die Batteriemobilität●●●
Schaden durch Covid 19●●●

 

PS: Bei der Betrachtung der obigen Tabelle ist mir noch ein Gedanke gekommen: Es gibt ein dreizehntes Armutsrisiko, welches man zunächst übersieht; seine Auswirkungen sind aber so schwerwiegend, dass es wohl als gleichwertig mit der Normenzerstörung im Bildungswesen betrachtet werden kann. Es ist dies die fortschreitende Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, verbunden mit einer Verunglimpfung und Verfolgung von Kritikern und Andersdenkenden. Damit bleiben auch die aberwitzigsten Entscheidungen der Machhaber unwidersprochen und können ungehindert ihre verhängnisvollen Folgen entfalten.

In dieses Kapitel des Romans „2054 – Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit“ sind Gedanken von Thorsten Polleit (Das staatliche Geldmonopol und der „Große Reset“) sowie von Johannes Eisleben („Das kommende Machtmodell“) eingeflossen.

Das Buch kann für 16,80 € unter www.kaleidoscriptum-verlag.de bestellt werden.

 

 

 

 



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