Dystopie oder Prognose? „2054 – Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit“

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In unseren Zeiten der abnehmenden Demokratie entsinnt man sich immer häufiger der  Dystopien, die in einer Ära der Diktaturen entstanden sind, wie „1984“ von George Orwell oder „Farm der Tiere“ und „Schöne Neue Welt“ von Aldous Huxley. Das ist naheliegend, verkennt aber die Tatsache, dass wir es heute mit der Entwicklung eines neuen, umfassenderen Totalitarismus zu tun haben, der aus Demokratien herauswächst. Seit dem Anbruch der zwanziger Jahre des neuen Jahrtausends nimmt diese Entwicklung Fahrt auf. Mit Beginn der Corona-Pandemie erleben wir eine vorher in Demokratien unvorstellbare gewesene Einschränkung unserer freiheitlichen Grundrechte, ohne dass sich nennenswerter Widerstand dagegen bildet. Eine Oligarchie der Politeliten hat Methoden gefunden, ihre Kritiker ohne den Einsatz von Gefängnissen und Lagern mundtot zu machen, auch wenn von Politikern schon mal öffentlich darüber nachgedacht wurde, sogenannte Corona-Leugner in Psychiatrische Anstalten zu stecken. Mahnende Stimmen, die sich der Entwicklung entgegenstemmen, finden kaum Gehör, weil sie im Lärm des medialen Sperrfeuers untergehen.

Und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 29.04.2021 stellt schon einmal einen juristischen Freifahrtsschein für noch drakonischere Maßnahmen in der Zukunft aus:

 Künftig können selbst gravierende Freiheitseinschränkungen zum Schutz des Klimas verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein.“

Bei Medien und Politik traf diese höchstrichterliche Äußerung auf fast einhellige Begeisterung; für Wulf Bennert, den Autor des Buches „2054 – Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit“ war sie jedoch Grund genug, in seinem druckfertigen Manuskript das Jahr der Handlung von ursprünglich 2064 um ein Jahrzehnt auf 2054 vorzuverlegen; die dystopische Fiktion seines Romans sollte nicht von der Realität überholt werden. Ob zehn Jahre für diesen Zweck ausreichend waren, muss nun die Zeit erweisen.

An der Wirklichkeitsnähe des Bildes einer Gesellschaft, die Wulf Bennert in seinem Buch als konsequente Folge heutiger Weichenstellungen beschreibt, sind dagegen kaum Zweifel angebracht: Ein autoritäres Herrschaftssystem hat die nach einem beispiellosen wirtschaftlichen Niedergang entstandene Armut für die Beherrschten zu einem erstrebenswerten Zustand und Bedürfnislosigkeit zu einer allgemeinverbindlichen Tugend erklärt. Seine korrupte Alleinherrschaft kaschiert es durch inflationären Gebrauch des Begriffes „demokratisch“ und geriert sich wie alle Diktaturen als Paradies. Das Gesellschaftsbild in „2054“ ist detailreich und sorgfältig gemalt; der Autor hat darin sogar eine „endlich gendergerechte Grammatik“ für die „Sprache unserer demokratischen Zukunft entworfen, die ihr eine bislang ungeahnte Klarheit und linguistische Ästhetik verleiht“.

Die Handlung des Romans ist nicht nur packend, sondern lässt den Leser auch an dem besonderen Lebensgefühl teilhaben, das sich in dieser freudlosen Gesellschaftsordnung einstellt – bis hin zu der Frage, wie lebenswert das Dasein in einem solchen System überhaupt noch sein kann. Im Gegensatz zu anderen Dystopien, in denen die Errichtung ihrer Diktaturen im Dunkeln bleibt, leitet Bennert die Entstehung der von ihm beschriebenen Zustände überzeugend aus der jetzigen Situation ab. Und man fragt sich: Steuern wir unausweichlich auf „2054“ zu? Doch diese bedrohliche Entwicklung ist nicht schicksalhaft; sie kann durch menschliche Aktivitäten abgewendet werden.

Wir sollten es versuchen!

Das Buch kann für 16,80 € unter www.kaleidoscriptum-verlag.de bestellt werden. Weil es besondere  Aufmerksamkeit verdient, werden in den kommenden Wochen vier seiner Kapitel in leicht gekürzter Form auf diesem Blog veröffentlicht.

 

 



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