Ur-Medizin – Was wir von unseren Vorfahren lernen können  

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Eine zweifelhafte Mode in Berlin sind „Geschenkkartons“, die überall an der Straße abgestellt werden. Meistens handelt es sich um die perfideste Art der illegalen Müllentsorgung, weil man auf diese Art sein Gerümpel los wird und sich noch ein gutes Gewissen machen kann. Manchmal findet man auch unverhofft eine Perle. So ging es mir am ersten Weihnachtsfeiertag, wo ich an einem Schaufenster eine Bücherkiste entdeckte. Darin befand sich „Ur-Medizin – Die wahren Ursprünge unserer Volksheilkunde“. Das Buch erschien bereits 2015 in dritter Auflage, es war aber offensichtlich unbenutzt. Ich nahm es mit nach Haus, schlug es auf und hörte nicht auf zu lesen.

In unserer Zeit sind alternative Heilmethoden hoch im Kurs, allerdings hauptsächlich, wenn sie aus Indien, China oder andern weit entfernten Ländern stammen. Da es nach aktueller Auffassung keine Rassen und die dadurch bedingten Unterschiede bei den Menschen gibt, wird bedingungslos an fernöstliche Heilmethoden und ihre Wirksamkeit geglaubt. Dagegen ist das Heilwissen der europäischen indigenen Bevölkerung fast vergessen. Den allermeisten Zeitgenossen sind die Heilpflanzen, die vor unserer Tür wachsen, unbekannt. Sie gelten als nutzloses Unkraut. Das ist keineswegs ein neues Phänomen. Schon Paracelsus sagte: „Sie wollen Arzneien aus überseeischen Ländern und im Garten vor ihrer Haustür wächst besseres“.

Wer Storl gelesen hat, weiß, dass der große Gelehrte Recht hat. Storl ist der Meinung, dass die allermeisten Krankheiten mit den traditionellen Heilmethoden der europäischen Indigenen behandelt werden könnten. Selbst wenn man dies anzweifelt, muss man zugeben, dass die moderne westliche Medizin bis heute Krankheiten wie Alzheimer, Asthma, Diabetes, Krebs und viele andere chronische Leiden kaum heilen kann. Es wäre also nicht verkehrt, sich nach zusätzlichen Heilmethoden umzuschauen. Dem steht das westliche Dogma, dass es nur eine richtige Sichtweise gibt, die einen einzigen Ursprung hat, entgegen. Dazu kommt der Drang, die anderen Bekehren zu wollen, um sie an der einzigen Wahrheit teilhaben zu lassen. Diese Einstellung bildete die Grundlage für die Kolonialisierung von anderen Völkern. Heutzutage ist der verbale Antikolonialismus in aller Munde. Er erschöpft sich aber in der Änderung von Straßennamen, der Umbenennung von Plätzen und Institutionen. Vollkommen übersehen wird von den Antikolonialisten, dass die One-World-Ideologie, der sie gleichzeitig huldigen, nur eine neue Form des Kolonialismus ist. Das gilt für die Durchsetzung sogenannter allgemeiner Menschenrechte, das globale Business, die McDonaldisierung der Kultur, die mediale Gleichschaltung durch immer weniger Nachrichten- und Unterhaltungskonzerne und natürlich das von den internationalen Pharmakonzernen dominierte, für einzig gültig erklärte Medizinsystem.

Die One-World-Ideologie hat sich zu einer säkularen Religion entwickelt. Ihre Hauptikone ist das 1972 vom Raumschiff Apollo 17 aufgenommene Foto unserer Erde als kleine blaue Kugel im schwarzen Weltraum. Seither macht sich die Sicht, das Raumschiff Erde müsste gesteuert und gewartet werden breit. Inzwischen sind Politiker weltweit der Meinung, das Klima wäre durch politische Beschlüsse zu steuern und eine Pandemie mit technokratischen Maßnahmen zu „besiegen“. In Wirklichkeit ist das Foto vom blauen Planeten ein Bild der absoluten Entfremdung. Es hat in einer Welt, in der Facebook-Freunde oft näher sind als die Nachbarn zu einer wachsenden Entfremdung unter den Menschen und zu einer Entkoppelung von ihren natürlichen Grundlagen geführt.

Krankheiten sind ein soziales und kulturelles Phänomen, wie die Medizin, die sie bekämpft. Die berüchtigten Hexenverfolgungen korrelieren mit der raschen Ausbreitung der Syphilis, die Kolumbus aus Amerika mitgebracht hat. Mit den Hexen landete das traditionelle Heilwissen der Kräuterfrauen auf dem Scheiterhaufen. Dieses Wissen war ein Überbleibsel der Ur-Medizin der indigenen Völker Europas. Es lebte trotz aller Verfolgung durch die Kirche in Teilen bis heute fort, vor allem in der ländlichen Bevölkerung.

Die Christianisierung Europas war so etwas wie eine „Große Transformation“, jedenfalls in der Planung. In der Praxis stellte sich sehr bald heraus, dass die Verordnungen von oben nicht ohne Weiteres durchzudrücken waren. Es mussten Zugeständnisse gemacht werden. Zum Beispiel war die Drei die heilige Zahl der europäischen Völker. Also musste der eine Gott in die heilige Dreifaltigkeit umgewandelt werden. Heilkräuter der Indigenen wurden nach christlichen Heiligen benannt. aus dem Holz der gefällten heiligen Linden wurden die christlichen Heiligenfiguren geschnitzt.  

Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, auf nur einige weitere Aspekte von Storls Medizingeschichte einzugehen. Wer wissen will, woher wir kommen, sollte sein Buch unbedingt lesen. Wir sind das Produkt einer langen Geschichte, die Teil unserer Identität ist. wenn diese Identität aufgelöste wird, sind wir nicht mehr Individuen, sondern eine gesichtslose Masse von Konsumenten. Den Globalisten genügt das. Wir sollten mehr vom Leben wollen.

Der Pflanzenphysiologe und Philosoph Rupert Sheldrake hat auf Grundlage seiner biologischen Forschungen die Theorie der morphogenetischen Felder entworfen, die über Raum und Zeit wirken und die Menschen prägen. Mit der Heilkunde der europäischen Waldvölker, die bis auf die Steinzeit zurückgeht, haben wir ein mächtiges morphogenetisches Feld, das uns mit den fernen Ahnen verbindet. Die heilenden Pflanzen, die sie nutzen, wachsen heute noch. Außerdem verbindet uns die Sprache, deren Wurzeln in diese ferne Zeit zurückreichen. Das Heilwissen ist kein Aberglaube, sondern eine Tradition, die eine ganzheitliche Sichtweise ermöglicht. Damit haben wir ein Mittel, die gegenwärtig wachsende Entfremdung von unseren Wurzeln zu überwinden.

Wolf Dieter Storl: Ur-Medizin



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