Abschied von Island

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Als wir gestern nach einer Rundfahrt um die ganze Insel unsere letzte Station in Reykjavik erreichten, wurden wir gefragt, ob wir gerade aus Deutschland angekommen oder schon länger im Land gewesen seien. An diesem Tag war Deutschland von der Isländischen Regierung zum Hochrisikogebiet erklärt worden. Alle Ankommenden müssen sich ab sofort 4 Tage in Quarantäne begeben, bevor sie ihre Reise fortsetzen dürfen. Was das bedeutet, wenn man wie wir für eine längere Tour bereits alle Stationen vorgebucht hat, ist schwer vorstellbar. Sicher ist, dass dies das Ergebnis der krampfhaften Hochrechnung der Fallzahlen ist, die permanent durch das Robert-Koch-Institut, von Regierung und Medien verbreitet werden. Statt sich zu freuen, dass die angebliche Pandemie in Deutschland so glimpflich abgelaufen ist, dass nicht nur die Krankenhäuser leer blieben, sondern Bestatter in Kurzarbeit gehen und Corona-Hilfen beantragen mussten, wird mit allen Mitteln Panik geschürt und der Ausnahmezustand aufrecht erhalten.

Heute kamen wir auf dem Flughafen Keflavik an, der ein kafkaeskes Bild bot. Er war so leer, als hätte eine Katastrophe die Menschheit nahezu ausgelöscht. Beim Tax-Refund, dem Einchecken und der Sicherheitskontrolle stand man nicht nur in erster Reihe, sondern allein auf weiter Flur. Schon am Morgen bei unserem Abschiedsrundgang durch Reykiavik war uns aufgefallen, dass die Hauptstraße der 120.000 – Einwohner-Metropole aussah, wie die einer ostdeutschen Provinzstadt – ausgestorben. Die meisten Geschäfte, deren Hauptumsatz von Touristen gemacht wird, waren wegen Covid 19 geschlossen. Sie würden erst am Mittag aufmachen, aber wie wir tags zuvor gesehen hatten, ist am Nachmittag auch nicht viel mehr los. Wir waren immer allein im Laden und die Verkäufer sahen uns alle mit demselben hoffnungsvollen Blick an. Noch nie ist mir so vor Augen geführt worden, wie sehr der Westen dabei ist, seine eigenen Lebensgrundlagen zu vernichten. Wenn der Tourismus zerstört wird, zieht das einen Rattenschwanz von Pleiten hinter sich her: Reiseunternehmer, Autovermieter, Hotels, Restaurants, Cafés, Geschäfte und ihre Zulieferer, Reinigungspersonal. Der leere Flughafen von Reykjavik ist das Zeichen an der Wand, wohin die Reise des Westens geht, wenn der Wahnsinn, den die Politik, befeuert von Medien und NGOs betreibt, nicht gestoppt wird. Das Tempo, mit dem sich der Westen abschafft, ist beängstigend.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 glaubten Optimisten, dass nun das Ende der Geschichte gekommen sei, weil der globalen Herrschaft der Demokratie nichts mehr im Wege stünde. Welch ein Irrtum! Statt hin zu einem guten Leben für alle Menschenkinder geht es mit Riesenschritten rückwärts. Alles, was den Erfolg des Westens ausgemacht hat: Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Emanzipation wird dekonstruiert, ohne dass etwas Konstruktives an seine Stelle gesetzt würde.

Auf unserer Reise hatten wir Siglufjördur besucht, eine kleine Stadt, an einem schönen Fjord, umrahmt von dramatischen Bergen. Bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts erlebte diese Stadt einen unwahrscheinlichen Boom, beschert vom „Silber des Meeres“, scheinbar unerschöpflichen Heringsschwärmen, die an der nahen Küste gefangen wurden. In der Saison wurden hier hunderttausende Tonnen Fisch verarbeitet und in alle Welt verschickt. Heute kann man sich in einem Museum, das in einer ehemaligen Fischfabrik errichtet wurde, über das Leben damals informieren. In einem Teil sind die Wohnungen der Saisonarbeiter zu besichtigen. Vier Menschen in einem kleinen Raum in Doppelstock-Holzkojen, die so kurz und schmal sind, dass man sich fragt, wie erwachsene Menschen darin schlafen konnten. Außer dem Koffer war die Koje die einzige Privatsphäre, die man hatte. In der Gemeinschaftsküche wurde gekocht, gegessen und gewaschen. Die Wäsche trocknete in den Dachverschlägen, die auch noch etwas Stauraum boten für Dinge, die nicht täglich gebraucht wurden. Auf einem der kleinen Tische stand ein Kofferradio, wie es zur Zeit meiner Jugend modern war. Geschuftet wurde bis in die siebziger Jahre die ganze Saison über, ohne Wochenende. Wer Fische verarbeitet, nimmt schnell den Fischgeruch an. Aber Duschen scheint es nicht gegeben zu haben, nur kleine Waschbecken neben zwei Toiletten. Heute würden solche Zustände nirgends in Europa mehr geduldet.

Noch schärfer wird der Kontrast, wenn man an das Leben in den kleinen Fischerdörfern denkt, wie es der Literatur-Nobelpreisträger Halldor Laxness im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts geschildert hat. Da herrschten noch Hunger und bittere Not.

Wie sehr hat der gegenwärtig wieder so verteufelte Kapitalismus die Lage der allermeisten Menschen, vor allem im Westen, dramatisch verbessert! Das hat aber anscheinend dazu geführt, dass die in Wohlstand aufgewachsenen Generationen den Blick dafür verloren haben, dass dieser Wohlstand nicht vom Himmel fällt, sondern immer wieder erarbeitet werden muss. Wenn man die Arbeitsgrundlagen zerstört, aus welchen Gründen auch immer, entzieht man dem guten Leben, an das wir uns gewöhnt haben, jede Grundlage. Was danach kommt, ist schon in der Bibel beschreiben: Heulen und Zähneklappern.



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