Eine gescheiterte Ehe – Wissenschaft und Gefälligkeit

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Von Gastautor Josef Hueber

„Ancilla theologiae“ – Magd der Theologie, so lautete eine mittelalterliche, theologisch begründete Definition von Philosophie. Die Unabhängigkeit philosophischen Denkens war damit eingezäunt. In zentralen, geradezu schicksalhaften Fragen unserer Kultur und Zivilisation entsteht der Eindruck, nicht die Theologie, sondern der Mainstream, das politisch Korrekte, erklärten die Wissenschaft zur Magd der Politik. „Gefälligkeitswissenschaft“ nennt dies Norbert Bolz, Medien- und Kommunikationstheoretiker.

Covid-19 und der Flug über den Ozean

Die Gefühle des wohl größten Teils der Bevölkerung angesichts oft widersprüchlicher, konkurrierender oder unverständlicher Aussagen zum Thema Corona mag man vergleichen mit denen bei heftig auftretenden Turbulenzen während eines Fluges über den Ozean. Ganz plötzlich klammern sich die Passagiere, eine gefühlte Lebensbedrohung vor Augen, hilfesuchend an den starken Helfer im Cockpit – den Kapitän. Hoffentlich lenkt er – oder Gott, so mag der Gläubige beten – die Reise einem sicheren Ende entgegen! Kommt eine Durchsage hinsichtlich des gebotenen Verhaltens, so wird sie dankbar und ohne Widerspruch angenommen und befolgt.

Im Flugverkehr spricht alles dafür. Die Durchsagen von oberster politischer Stelle zu den nötigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus Covit-19 haben weitgehend dieselbe Wirkung. Wenn es Rettung gibt, so wird von Politikern und Medien verbreitet, dann – und nur dann – , wenn Vorgaben bedingungslos befolgt, aber nicht hinsichtlich ihrer Sinnhaftigkeit bezweifelt werden. Die Alternativlosigkeit der angeordneten Maßnahmen wird unter Berufung auf Aussagen von Wissenschaftlern, den Piloten während der Pandemie, begründet.

Dissens ist nicht angesagt!

Wer nicht nur die regierungsfreundlichen Medien konsumiert, weiß, was es für die nicht hunderprozentig Loyalen, die Zweifler unter den Wissenschaftlern, bedeutet, sich den Meinungsgebern im Mainstream zu widersetzen und Maßnahmen anzuzweifeln (Kanzlerin Merkel: «Öffnungsdiskussionsorgien»). Der Name Stefan Homburg steht dafür.

Der Grund dafür liegt nach Bolz in der Verquickung von Wissenschaft und Politik, die beiden „Populationen“ zum Schaden gereicht.
In seinem Interview auf Indubio vom 3.Mai 2020 gibt er eine Analyse sowie Auswertung dieser unseligen Verquickung, obendrein mit den Medien.

Überforderte Politiker und „Gefälligkeitswissenschaftler“

Politiker fühlen sich in ihrem Handlungsfeld zunehmend überfordert und schieben deshalb gerne die Verantwortung auf diejenigen ab, denen man irgendwelche Kompetenzen zuschreibt. Leider Gottes wird diese Erwartung von vielen Wissenschaftlern dankbar aufgenommen. Ich nenne die dann immer „Gefälligkeitswissenschaftler“ . Es kommt seit vielen Jahren zu einer unheilvollen Symbiose aus Gefälligkeitswissenschaft und Gutachten, die von der Regierung in Auftrag gegeben werden. Während wir doch erwarten sollten, dass Wissenschaftler zu den kritischen Instanzen gehören, die sich nicht politisch korrekt äußern, sondern primär die gegenüber hochfliegenden Plänen oder phantastischen Erwartungen, die einige Politiker aus populistischen Gründen entwickeln, Machbarkeitsstudien, Machbarkeitsszenarios entwickeln. Hier ist vieles schief gelaufen.

Systemmängel

Der Fehler liegt auch im Wissenschaftssystem, das sich immer mehr in Abhängigkeit begeben hat vom politischen System, so dass man immer mehr Gefälligkeitsgutachen bekommt, so dass eine Art Harmonie herrscht zwischen Politik und Wissenschaft, während ich doch eigentlich meine, dass das zwei extrem unterschiedliche Populationen sein müssten: die Wissenschaftler, die skeptisch sind, die vermuten, die Hypothesen aufstellen, die gegen Kritik nicht allergisch sind, sondern sie sogar fordern und wünschen.

Auf der anderen Seite die Politiker, die eben gar keine Skepsis entwickeln dürfen, die von Entscheidung zu Entscheidung stürzen, die sich so etwas wie Unsicherheit gar nicht erlauben dürfen. (…) Zwei Gruppen, die eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen, die aber jetzt immer mehr gemeinsame Auftritte bekommen. Das kann natürlich nicht gut funktionieren.

Der Traum des Wissenschaftlers – politischer Berater zu werden?

Leider Gottes träumen viele Wissenschaftler davon. Das ist Gift für die Wissenschaft und gut für die Politik, weil sie sich verstecken kann hinter sogenannten Expertisen. Aber was da beliefert wird, sind meistens Gefälligkeitsgutachten.

Casting – die Gretchenfrage an den Wissenschaftler: Wie hältst du’s mit dem Mainstream?

Es gibt natürlich auch ein politisches Casting, so wie es ein mediales Casting etwa in den Talkshows gibt. Wenn Sie zu Frau Merkel oder zu Anne Will wollen, werden Sie vorher gecastet, also getestet, was Sie denn sagen zu bestimmten Themen und was man von Ihnen erwarten darf. Und wenn Sie nicht genau das sagen, was in die Sendung passt oder was ins Regierungsprogramm passt, dann wird man sie nicht einladen.Die Verlockung ist natürlich riesengroß, Frau Merkel oder Frau Anne Will nach dem Mund zu reden.

Wissenschaftler als Aktivisten – eine „verheerende Entwicklung“

Bei den großen Themen ist die Emotionalisierung und Polemisierung ungeheuer groß. Die Wissenschaftler verhalten sich dagegen leider Gottes nicht immun. Das ist eine verheerende Entwicklung, deren Gipfel wir in der Klima-Diskussion schon erreicht haben, wo Wissenschaftler als Aktivisten auftreten.
Sie kämpfen politisch gegen andere Meinungen, wo das „silencing“, das Zum -Schwiegen-Bringen abweichender Meinungen, an der Tagesordnung ist. Das gilt für viele große Themen unserer Zeit, auch für die Migrationsproblematik selbstverständlich. Da kann man gar nicht mehr von objektiver wissenschaftlicher Arbeit sprechen. Überall da, wo die Politik oder auch die Medien
Wissenschaft ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zerren, sind solche Prozesse so gut wie unvermeidlich. Da kann man Wissenschaftlern nur raten: Lasst euch nicht ein auf diese politischen Techtelmechtel, auf die Talkshows, macht eure Arbeit und lasst euch nicht manipulieren!



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