Denken heißt vergleichen – Hanau und der Breitscheidplatz

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Von Gastautor Dr. Wolfgang Hintze

„Denken heißt vergleichen“. Dieses kluge Motto von Walther Rathenau ist die beste Medizin gegen die Propagadamethode „zweierlei Maß“ oder englisch „double standards“. Seine Umkehrung ist sogar noch schärfer: „Wer nicht vergleicht, denkt nicht“. Die Anwendung dieses Prinzips wird von interessierten Kreisen häufig als „Relativierung“ diffamiert, aber das Relativieren, d. h. das in-Relation-Setzen von Sachverhalten, sollte ein Grundprinzip vernünftigen Denkens sein. Und da sind wir wieder bei Rathenau.

Es gibt täglich Veranlassung, dem Motto zu folgen, besonders aber gilt das für die Ereignisse der letzten Tage.

Eine Kanzlerin mit Kompass
Was halten Sie von diesem Text?
„In dieser Woche zeigte sich einmal mehr, wie groß die Fußstapfen sind, in die einer der möglichen Nachfolger von Bundeskanzlerin Merkel treten wird.
Beispielhaft war ihre Reaktion auf den islamisch motivierten Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Merkels Botschaft war klar und eindeutig.

Viele Politiker der demokratischen Parteien haben den Anschlag als Werk eines Geisteskranken abgetan, um von der islamischen Gesinnung des Täters abzulenken oder diese zum psychischen Problem kleinzureden. Diese Ausrede war der Kanzlerin kein Wort wert. Sie ordnete die Tat in ihren gesellschaftlichen Kontext ein und benannte ihre Ursache mit klaren Worten: “Islamismus ist Gift, der Hass ist ein Gift.”

Merkel vertritt hier einen klaren Standpunkt, wenn es um die Gefahren geht, die das Zusammenleben in der bunten und vielfältigen Gesellschaft bedrohen, die die Bundesrepublik schon lange ist.“

¡¡¡ Vorsicht !!! Diesen Text habe ich durch den Austausch weniger Begriffe aus dem Original [1] erzeugt. Das ist übrigens eine Methode der Anwendung von Rathenaus Prinzip, die zu verblüffenden Einsichten führen kann.

Wer Hanau sagt, muss auch Breitscheidplatz sagen
Leider hat Merkel damals nichts dergleichen gesagt. Sie sagt es jetzt, wo es um eine rechte Tat geht. Und nicht nur das, sie hat vielmehr ein geschlagenes Jahr gebraucht, um den Hinterbliebenen zu kondolieren – ein nach allen Maßstäben empathieloses Verhalten [2].
Es ist fast unbegreiflich, dass nicht jedem Menschen mit ein klein wenig Verstand und Erinnerungsvermögen der Vergleich zwischen Hanau und dem Breitscheidplatz ins Auge springt. Und dass die geradezu ausufernden Betroffenheitsbekundungen von heute im krassen Gegensatz zu den allseitigen Beschwichtigungen von damals stehen.

Die Schuldfrage
Wer heute die Schuld an dem Attentat von Hanau kurzerhand der AfD zuschiebt, warum hat er damals nicht den „demokratischen“ Parteien die Schuld gegeben?
Die Vorwürfe gegen die AfD und ihre Protagonisten sind reine Propaganda, die die Toten von Hanau schamlos für den Machterhalt der gegenwärtigen „Eliten“ instrumentalisiert.
Wer regiert denn seit 14 Jahren das Land mit fast absolutistischer Machtfülle? Die AfD ist es sicher nicht. Wer außer die Regierungen Merkel und ihre Unterstützer hat die gegenwärtigen Zustände in diesem Land erzeugt, die gespaltene Gesellschaft, den Hass? Wer wie Merkel die unkontrollierte Einwanderung von Millionen Menschen aus vormodernen Gesellschaften fördert, einen zweifelhaften Migrationspakt unterschreibt, wer zweierlei Maßstäbe in der Verurteilung von Verbrechen und bei der Bewertung von Opfern anlegt, kommt der wirklich nicht auf die Idee, dass er damit den Humus für verabscheuungswürdige Untaten wie die Attentate von Hanau und dem Breitscheidplatz kultiviert?

Links
[1] „Angela Merkels Reaktion auf Hanau / Kanzlerin mit Kompass“ ein Kommentar von Severin Weiland, 21.02.2020
[2] „Der schäbige Umgang mit den Opfern des islamistischen Terrorismus“ von Gastautor Dr. Wolfgang Hintze, 22.12.2017



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