Die FDP übt in Thüringen den Salto Mortale

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Immer wenn man denkt, absurder geht es nicht mehr, sind Politiker zu neuen Wahnsinnstaten bereit. Wie die Thüringer Allgemeine erfahren haben will, soll sich das Thüringer FDP-Parteipräsidium dazu entschlossen haben, ihren Chef Thomas L. Kemmerich ins Ministerpräsidenten-Rennen zu schicken. Aber mit angezogener Handbremse, denn er soll ausschließlich im dritten Wahlgang antreten und nur, wenn die AfD ebenfalls einen Kandidaten stellt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Kemmerich will nicht antreten, um Ministerpräsident Ramelow zu verhindern, sondern nur, um den AfD-Kandidaten zu blockieren.

Das schmähliche Versagen von FDP und CDU wurde hochnotpeinlich, als ein beherzter Thüringer, der Kommunalpolitiker Christoph Kindervater, die Initiative ergriff und den Oppositionsparteien vorführte, was ihre Wähler erwarten. Er bot sich am Wochenende CDU, FDP und AfD als Kandidaten an.

CDU und FDP hielten es nicht für nötig, überhaupt zu reagieren, wo kämen die Volksvertreter auch hin, wenn sie sich darum scheren würden, was das Volk will. Die AfD nahm das Angebot an und sorgte damit für Hektik in den Thüringer Parteizentralen. Heraus kam bei der FDP der kühne Entschluss, sich mit ganzer Kraft der AfD entgegenzustellen, auch auf die Gefahr hin, sich der totalen Lächerlichkeit preis zu geben. Schließlich hatte die Fraktionschefin der Linken Hennig-Wellsow streng verfügt, die FDP dürfe nur einen Kandidaten aufstellen, der für die AfD nicht wählbar wäre. Bei so viel vorauseilendem Gehorsam werden bei den Roten und den Grünen schon mal die Sektkorken geknallt haben. Oder stößt man dort bereits vegan mit Wasser auf die Erfolge an?

Auch Herr Mohring von der CDU, der bisher alle Versuche, die es in der Partei gab, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, blockiert hatte, kann sich plötzlich vorstellen, im dritten Wahlgang doch einen bürgerlichen Kandidaten zu präsentieren. Allerdings ist die Anmeldefrist dafür wohl schon verstrichen, so dass es nur auf die Unterstützung Kemmerichs hinauslaufen könnte.

Das alles muss man vor dem Hintergrund sehen, dass die FDP bereits verhindert hat, dass über die Modalitäten des dritten Wahlgangs Klarheit geschaffen wurde.
Wer weiß, wie der Wahlzettel für den dritten Wahlgang aussehen wird? Hat er nur die Namen der Kandidaten, ohne Nein-Stimmen und Enthaltungen, wie es das Morlock-Gutachten nahelegt?
Das sind die Fragen eines mündigen Wählers, den die Parteien inzwischen zu fürchten scheinen, wie der Teufel das Weihwasser.



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