Was Volker Bouffier glücklich macht, wem Wolfgang Schäuble ins Gewissen redet, und was Paul Ziemiak ohne die CDU wäre

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Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel

Volker Bouffier geht es gut. Mehr noch, dem hessischen Ministerpräsidenten geht’s sogar richtig super! Worauf sein fideles Wohlbefinden beruht, hat er auf dem Leipziger CDU-Parteitag verraten: „Deutschland ist zum Sehnsuchtsort der Welt geworden. Es ist das beste Deutschland, das wir je hatten. Und das hat mit unserer Politik zu tun. Ohne die Union wäre das nicht dieses Deutschland.“

Die rund 1000 Delegierten quittierten den Wonnegesang aus Wiesbaden mit freundlichem Applaus. Ihnen scheint es also ebenfalls blendend zu gehen.
Worauf sich die Sehnsucht der Welt richtet, hat selbst die sonst so regierungsfromme „FAZ“ vor ein paar Tagen auf den Punkt gebracht: „Sozialleistungen locken Zuwanderer.“ Nun ja, der Feinkostladen, der seine Leckereien zum Gratisabgreifen an der Straßenfront ausbreitet, wird ja auch im Handumdrehen zum „Sehnsuchtsort“ des ganzen Viertels. Und darauf können der Inhaber und seine Angestellten doch wirklich stolz sein, oder?
Am hellsten strahlt das „beste Deutschland, das wir je hatten“, wenn wir es gegen die düstere Vergangenheit halten. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll beim Aufzählen all der Grausamkeiten, die wir vor Erreichen der paradiesischen Zustände der Gegenwart durchleiden mussten.
In jenem dunklen Vergangenheitsdeutschland gab es weder Araber-Clans noch „No-go-Viertel“. Da waren die Weihnachtsmärkte nackt, also nicht von den heimeligen Panzersperren unserer Tage umhegt, da mussten wir beim Besuch von Konzerten auf die freundliche Taschenkontrolle verzichten. Dafür wurden die Grenzen von grimmigen Beamten kontrolliert, die arglosen Kriminellen oder illegalen Einwanderern den Zugang zum „Sehnsuchtsort der Welt“ versperrten.

Wir durften weder EEG-Umlage zahlen noch Steuern auf Normalrenten. Dafür wurden junge Menschen in aufreibende Entscheidungsnöte gestürzt, ob sie lieber eine Kapitallebensversicherung oder einen Bausparvertrag abschließen sollten, um es künftig einmal besser zu haben oder sich einst eine Wohnimmobilie zuzulegen. Oder beides?
Können sie sich heute sparen, das Sparen. Denn seit der Abschaffung der Zinsen sind sie von solchen Zumutungen befreit. Wer einmal ein eigenes Haus haben möchte, muss das Geld entweder erben oder so bombig verdienen, dass die Bank das wegen seiner hervorragenden Bonität finanziert. Alle anderen dürfen sitzen bleiben, wo sie sind, und brauchen sich nicht einmal mehr sinnlosen Überlegungen hinzugeben, ob sie ihre Miete auch als Rentner noch aufbringen können. Können sie nämlich nicht.
Hinzu kam diese sogenannte Meinungsfreiheit: Selbst das Internet war bis vor Kurzem noch irritierend frei. Mit dem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG) wurden dem Spuk wenigstens Grenzen gesetzt. Und die Zeitungen erst: Die widersprachen sich früher nicht nur gegenseitig, weil sie ganz unterschiedlichen Lagern entstammten. Noch viel lieber schossen sie quer zur Regierung. Vorbei: Heute loben sie die Regierungslinie und halten die Opposition im Zaum. Damit das auch so bleibt, will die Regierung Zeitungsverlage künftig mit staat­lichen Zuschüssen beglücken − wes Brot ich ess, des Lied ich sing, das ist noch immer aufgegangen.

Sicherlich weiß auch Volker Bouffier, dass es immer noch Restbestände des alten Unheils gibt. Sein Parteifreund, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, hat das Übel deutlich benannt. Es handelt sich um uns, das Volk.
Bei seiner Predigt zum Buß- und Bettag im Berliner Dom hielt uns Schäuble schonungslos unsere Verderbtheit unter die Nase, nämlich den zunehmenden Egoismus der Deutschen, die nicht mehr auf diejenigen schauten, die weniger hätten als sie. Unsere Orientierung an immer mehr Wohlstand führe zu einer Starre, Saturiertheit und Erwartungshaltung. „Wir müssen aufpassen, sonst verliert unsere Gesellschaft die Gemeinwohlorientierung und zerfällt weiter“, warnt der Politiker, der seit 1972 im Bundestag sitzt und sich entsprechend auskennt im Leben der einfachen Bürger. Angst mache ihm der Ton in der Migrations- und Asyldebatte, da grassiere eine „fiebrige Wut“.

Nach diesen Ermahnungen gehen wir beschämt in uns. Was sind wir bloß für ein Pack. So ist das also: Unsere Gemeinwohlorientierung schwindet, unser Egoismus wächst und wir wollen immer mehr.
Das dürfte vielen von uns neu gewesen sein. Wir zahlen schließlich die höchsten Steuern der Welt (nach den Belgiern), um damit beispielweise die 30, 40 oder 50 Milliarden Euro jährlich aufzubringen, die unsere sehnsuchtserfüllten Neu-Einwohner aus dem Süden kosten. Unsere Renten schrumpfen derweil, unser Erspartes schmilzt an der Euro-Zinssonne und Neumieten werden für immer mehr Deutsche unerschwinglich.
Dessen eingedenk hatten wir das Gefühl, dass wir es an Leistungen für Menschen aus aller Welt nicht missen lassen. Ja, dass wir so einiges klaglos hinnehmen, was sich andere Völker niemals bieten ließen, wie etwa die überdurchschnittliche Kriminalität der Sehnsüchtigen oder die offene Verachtung, die wir von manchen Asylsuchern aus dem Morgenland erfahren, während sie unser Geld ausgeben und großzügig Wohnungen zugeteilt be­kommen, die − wenn man Politik und Medien glaubt − auf magische Weise niemandem fehlen, selbst wenn Heerscharen von Deutschen vergeblich nach einer Bleibe suchen.

Wir dachten schon fast, wir seien großzügig bis zur Verblödung. Falsch gedacht, wie uns Schäuble in seiner Bußtagspredigt belehrt. Leider indes müssen wir stark daran zweifeln, dass sich die Deutschen Schäubles Ermahnung wirklich zu Herzen nehmen. Eine wirkliche Besinnung ist aufgrund unseres erbärmlichen moralischen Zustands, den der CDU-Politiker angeprangert hat, kaum zu erwarten. Vielmehr dürfte die Masse unserer Landsleute auf Schäubles Predigt mit einem Gefühl reagieren, dass am treffendsten mit „fiebriger Wut“ umschrieben wäre.

Wie passt Schäubles Standpauke eigentlich zu Bouffiers Jubelrede? Vielleicht wollte uns der Hesse nur mitteilen: So toll wie heute wird’s euch nie wieder gehen, macht euch auf (noch?) schlechtere Tage gefasst! Zumal ihr Deppen gar nicht verdient, was die Union alles für euch getan hat.
Das ist schließlich eine ganze Menge, für manche ist es sogar alles. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bekennt auf Twitter: „Alles, was ich im Leben erleben durfte, ist mit der Politik der CDU verbunden.“ Wir haben richtig gelesen: „Alles …“ Was aus dem armen Ziemiak wohl ohne seine Partei geworden wäre? Da bleiben im Grunde nur zwei Möglichkeiten, nämlich entweder ein ganz normaler Mensch wie Sie und ich − oder ein Nichts, ein Niemand. Ziemiaks überschwänglicher Dank an die CDU lässt tragischerweise an Letzteres denken.

Und dennoch (oder gerade deshalb) haben uns die Worte des Generalsekretärs so heftig gerührt. Ein solch inniges Verhältnis zur herrschenden Partei kannten wir bislang nur aus den untergangenen Ostblock-Diktaturen. Boris Reitschuster, der von 1999 bis 2015 für den „Focus“ aus Moskau berichtete, erzählt von einer russisch-ukrainisch-jüdischen Freundin, die sich Teile des CDU-Parteitags im Fernsehen angesehen habe. Die monotone, einträchtige Jubelei habe sie an die kreuzöden Parteitage der sowjetischen KP erinnert.
Übertrieben? Reitschuster empfiehlt, die Gesichter der wie auf Kommando klatschenden Delegierten zu studieren. Fürwahr: So blickt nur eine Partei, die nicht mehr viel vorhat in ihrem Leben.



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