Wie sich Dresden vor der Welt zur »Nazistadt« machte, warum Sie nicht zitieren sollten, und wen Merkel zu uns einlädt

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Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel

Das hat richtig wehgetan. Aber wer konnte das auch ahnen? Mit großer Dramatik hat der Dresdner Stadtrat einen Beschluss gefasst, der für die sächsische Landeshauptstadt allen Ernstes den „Nazinotstand“ ausruft. Oder eigentlich nicht: Denn hinter dem donnernden Wort haben die Beschlussfasser, Unbill ahnend, ein Fragezeichen gesetzt.
Wegen Pegida und so wollte die Mehrheit von 39 Ratsmitgliedern ein „Zeichen“ setzen. Selbst aus der FDP kam Zustimmung. Die 29 Stadtparlamentarier von CDU, AfD und Freien Wählern votierten dagegen.
Nun fällt der Ratsmehrheit der Beschluss tonnenschwer auf die Füße, denn Weltmedien von CNN bis BBC interessieren sich erwartungsgemäß einen Dreck für das Fragezeichen und malen Elbflorenz in den braunsten Farben. Das Schlagwort der Schlagwörter, „Nazi“ nämlich, reichte aus, um alles andere zu überstrahlen.

Nun beginnt das große Wehklagen. Wie konnte es nur geschehen, dass das Wort „Nazi“ in der internationalen Medienwelt auf ein bloßes Schlagwort geschrumpft ist, statt dass alle ganz genau das besagte Fragezeichen thematisieren?, fragen die Initiatoren des Beschlusses tief verwirrt. Eine gute Frage: Ja, seit wann ist „Nazi“ zum reinen Schlagwort verkommen? Und wer ist dafür verantwortlich? Kann sich jemand erinnern?
Die Idee zum „Nazinotstand“ stammt übrigens von der Gruppe „Die Partei“, die ihr Treiben als „Satire“ bezeichnet. Die Dresdner Posse hat damit ein schönes Gemälde unseres Zeitgeistes geschaffen, von dieser bunten Mischung aus Hysterie und Infantilität, wie man sie auch auf den „Fridays for Future“-Demos wunderbar beobachten kann.

Blöderweise aber gibt es im Ausland noch viel zu viele Erwachsene, die nicht mit uns in den keifenden Kindergarten gezogen sind und daher an einer seriösen Vorstellung von „Notstand“ kleben geblieben sind. Unter Erwachsenen bedeutet das Wort, dass man sich in einer absoluten Ausnahmesituation befindet mit der akuten Gefahr, ums nächste Eck ins Chaos zu stürzen. Für „Nazinotstand“ kann das nur heißen, dass die NSDAP kurz davor steht, die Macht in Dresden oder mindestens großen Teilen davon zu ergreifen und nun unter Zuhilfenahme aller polizeilichen und (nach bundesdeutschem Notstandsrecht) auch militärischen Mittel zur Räson gebracht werden müssten.

Das macht Eindruck in der Weltöffentlichkeit. Der Tourismusverband Dresden sieht bereits seine Felle davonschwimmen. Wer möchte schon Urlaub machen in einer Stadt, in der jeden Moment die Panzer rollen könnten und wilde Schießereien drohen?

Gut, Notstand ist denn wohl übertrieben. Wir wollen die rechte Gefahr aber auch nicht herunterspielen. Der Landesverfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, wie gefährlich die Ideologie der Rechten ist. Deren Kennzeichen sei unter anderem die Verbreitung von „Verschwörungstheorien“. Etwa jener, dass die ethnische Zusammensetzung der Bundesbevölkerung von politischer Seite bewusst stark verändert wird, was die Rechtspopulisten als „großen Austausch“ dramatisierten.

Die Vorsitzende der „Amadeu-Antonio-Stiftung“, Anetta Kahane, stellte laut „Tagesspiegel“ vom 15. Juli 2015 fest, dass es „die größte Bankrotterklärung der deutschen Politik nach der Wende“ gewesen sei, dass sie zugelassen habe, „dass ein Drittel des Staatsgebiets weiß blieb“. Mit dem Drittel meinte Kahane die neuen Bundesländer, deren ethnische Zusammensetzung ihr offenbar als dringend veränderungsbedürftig erschien.

Sie, liebe Leser, sollten Kahane auf keinen Fall zitieren. Denn sobald Sie wiedergeben, was die Linksaußen-Aktivistin und im­merhin Chefin der staatlich geförderten „Amadeu-Antonio-Stiftung“ geäußert hat, machen Sie sich der Verbreitung „rechtsextremistischer Verschwörungstheorien“ verdächtig. Aber sie hat es doch gesagt!, höre ich Sie protestieren. Ja, aber das ist ganz egal. Sie dürfen es trotzdem nicht zitieren oder gar interpretieren, sonst sind Sie verdächtig. Linke Aktivisten finden es ja auch schick, mit Parolen wie „I like Volkstod“ herumzustolzieren. Daraus haben, glaubt man dem NRW-Verfassungsschutz, einige Leute den unerhörten Schluss gezogen, dass gewisse Kräfte in diesem Land einen „Volkstod“ der Deutschen begrüßen.

Auch das, so stand jetzt in der „Welt“ zu lesen, betrachtet der NRW-Inlandsgeheimdienst als Kennzeichen einer „rechtsextremistischen Verschwörungstheorie“. Ach je, was machen wir denn dann demnächst, wenn uns Dinge wie Kahanes Rassentheorie oder die Selbstvernichtungsphantasien linker Landsleute begegnen?
Am besten nur noch schweigen und nicken. Ganz allgemein sollten wir uns von jener gefährlichen Verschwörungstheorie lösen, die behauptet, dass hinter politischen Äußerungen auch politische Absichten stecken könnten. Denn damit fängt es an.

Nur Verschwörungstheoretiker, die das glauben, fühlten sich durch Angela Merkels Selfies mit jungen Männern in Indien schwupps an jene herzzerreißenden Aufnahmen erinnert, welche die Kanzlerin vor gut vier Jahren mit jungen Asylsuchern aus dem Orient um die Welt schickte.
Die hatten einen durchschlagenden Erfolg jenseits von Mittelmeer und Balkanroute. „Merkel hat uns eingeladen“ schoss als Botschaft bis in die letzten Winkel der armen Regionen, und einer nach dem anderen schnürte sein Bündelchen.

Diese Wirkung hat Merkel natürlich weder beabsichtigt noch vorhergesehen, wussten alle verantwortungsbewussten Kommentatoren und Politiker damals sogleich richtigzustellen. Mit großem Elan und erheblichem Abscheu wehrten sie seinerzeit alle gegenteiligen Behauptungen vom Tisch.

Auch im Falle Indiens hat Merkel keine einzige andere Absicht als die, ein schönes Foto für die Lieben daheim schießen zu lassen. Außerdem ist sie auf dem Subkontinent nur unterwegs, um dringend benötigte „Fachkräfte“ nach Deutschland zu locken. Nein! Nicht lachen! Sonst könnte der Verfassungsschutz von NRW auf den naheliegenden Gedanken kommen, dass Sie … Den Satz machen Sie jetzt selber zu Ende, zur Strafe!
Nun reden sogenannte Experten allerdings davon, dass die aufstrebende Wirtschaft Indiens ihre Fachkräfte eigentlich selbst gut gebrauchen könne. Von Überschüssen an gut ausgebildeten jungen Leuten, die danach dürsten, ihre sagenhafte Qualifikation dem Wohle Deutschlands zu widmen, könne eigentlich nicht die Rede sein.

Wohl aber verfüge das Milliardenvolk über ein riesiges Reser­voire weniger begabter junger Männer, von denen viele nicht recht wüssten, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Von denen könnten sich sicher einige ein Leben in Deutschland gut vorstellen. Kennen wir diese Erzählung nicht von irgendwoher?

Gut, dass die hiesige Jugend, die mit den Hinterlassenschaften der aktuellen Politik am längsten wird leben müssen, sich um diese Dinge nicht kümmert. Die haben wir so vollgestopft mit der Klimakatastrophe und der Gefahr von rechts, dass die für solche Folgekosten-Debatten weder Zeit noch Gespür haben. Geschickt, was?
Wenn es richtig gut läuft mit den vielen jungen Männern aus Indien, werden wir vielleicht in ein paar Monaten lesen, dass die Behörden „vom Ausmaß der Welle überrascht“ seien, weil die Größenordnung ja niemand hätte vorhersehen können.

Angela Merkel wird seufzen, dass wir unsere Grenzen nicht schützen könnten und daher alle aufnehmen müssten, bis es dann heißt: „Nun sind sie halt da.“



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