Nepper, Schlepper, Bauernfänger (Erster Teil)

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von Annette Heinisch

Kennen Sie den Film „Schöne Bescherung“ (“Christmas Vacation“) mit Chevy Chase? Er kommt ziemlich regelmäßig im Advent und amüsiert meinen hoffnungsvollen Nachwuchs ebenso wie seine vom Leben gebeutelten Eltern. Eine meiner persönlichen Lieblingssequenzen stammt von der vom trauten Familienfest völlig entnervten Mutter Ellen Griswold: “I don’t know what to say, except it’s Christmas and we’re all in misery.“

Der Familienvater Clark Griswold erhält statt der erhofften Weihnachtsgratifikation, mit der er fest gerechnet und deshalb auch schon den Bau eines Swimming–Pools für die Familie beauftragt hatte, eine Mitgliedschaft im “Gelee des Monats Club”. Sein Bruder Eddie, dessen Herz nach Aussage von Clark größer ist als sein Hirn (“I appreciate that, Clark”), versucht ihn zu trösten (“Clark, that’s the gift that keeps on giving the whole year.”), als dieser sich aber nicht beruhigt und seinem Arbeitgeber Shirley am liebsten persönlich seine Meinung sagen will, entführt er Shirley. Mit einer roten Schleife verziert präsentiert er ihn seinem Bruder als Weihnachtsgeschenk. Das Haus wird von Polizisten umstellt und gestürmt. Als der Einsatzleiter erfährt, dass Shirley den Mitarbeitern die Weihnachtsgratifikation gestrichen hat, ist er darüber ebenso verärgert wie die Ehefrau Shirleys. Am Ende verspricht Shirley reumütig, doch noch die Prämie auszuzahlen und räumt ein, dass manche Sachen vom grünen Tisch aus gut, in der Realität aber ganz anders aussehen.

An diesen Film muss ich in letzter Zeit häufiger denken. Die Lage ist nicht nur ernst, sie ist ernsthaft schlimm. Der deutsche Stern, der anfangs nur für Weitsichtigere einen Sinkflug begann, wird nun nach unten durchgereicht. Damit meine ich nicht nur Daimler, obwohl dieses Unternehmen beispielhaft für Deutschland steht. Ursprünglich ein Pionier des technischen Fortschritts, dümpelt Daimler seit 30 Jahren vor sich hin. Der Aktienkurs geht mit dem Markt einmal hoch, dann wieder herunter, aber die Aktie konnte sich nie mehr nach oben absetzen. Aus dem Seitwärtstrend ist mittlerweile ein Abwärtstrend geworden.

Dass es der Wirtschaft und dem Euro nicht gut geht, sie nur durch künstliche Beatmung am Leben gehalten werden, wissen mittlerweile viele. Noch mehr verweigern sich aber der Realität, denn sie ist schwer zu ertragen, zudem scheint es niemanden zu geben, der die Probleme überhaupt schultern kann. Schwer zu übersehen sind jedoch die gravierenden Mängel an der Infrastruktur und das komplette Versagen, daran etwas zu ändern. Deutschland ist außer Betrieb, diese Überschrift bringt es gut auf den Punkt.
Anders gesagt: ”I don´t know what to say, except it´s Germany and we are all in misery.”

Dass es den Staaten der westlichen Welt insgesamt nicht viel besser geht, daher diejenigen Staaten nun das Sagen bekommen, welche die Mindeststandards des Westens, z. B. wie Menschenrechte, verachten, macht die Situation nicht angenehmer.

Realitätsverweigerung hilft in solchen Situationen nicht weiter. Leider haben wir eine Führung, die zwar stets Besserung gelobt, aber dann wieder in ihre alten Gewohnheiten zurückfällt. Wäre es möglich, dass sie gar nicht besser kann? Dass sie ernsthaft völlig überfordert ist, die Probleme zu lösen, die sie zumeist selbst geschaffen hat? Immerhin haben die Probleme, die man heute „Herausforderungen“ nennt, durch das inkompetente Agieren ein Ausmaß angenommen, dass selbst Fachleute kaum noch ein oder aus wissen. Außerdem ist es ein so praktischer Trick, Probleme zu schaffen, um sich dann als Retter zu inszenieren und damit Wahlen zu gewinnen. Warum sollte man ein derart einträgliches Verhalten ändern, wenn man das politische perpetuum mobile meint gefunden zu haben?

Mit denselben Mitteln wie die Politik hetzen NGOs die Bürger auf und treiben damit die Politiker vor sich her. So wurden aus Jägern Gejagte. Das funktioniert aber nur so lange, wie wir als Bürger auf deren Tricks hereinfallen. In unserem Staat geht die Macht vom Volke aus, wenn es sich für dumm verkaufen lässt, wird es auch genauso behandelt – die Verachtung, die weite Teile der Politik dem Volk entgegenbringen, spricht Bände. Bürger werden bestenfalls wie kleine Kinder behandelt, die man gängeln muss, schlimmstenfalls als Pack angesehen, denen alles, aber mit Sicherheit nichts Gutes zuzutrauen ist, weshalb sie bevormundet werden müssen. Selten hat eine Führung ihre Bürger weniger Wert geschätzt als die jetzige. Aber das ist letztlich auch kein Wunder, denn wenn sich viele Bürger derart leicht hinter die Fichte führen lassen, so verfestigt sich die Einstellung, die man bei so vielen Betrügern findet: „Die wollen doch betrogen werden!“.

Dass ein Staat so nicht funktionieren kann, ist klar. Aber aus Fehlern kann man lernen.
Es gibt reichlich Ratgeber, wie man sich vor Neppern, Schleppern und Bauernfängern schützen kann, hier ein kleiner Ratgeber, wie man sie im Politikbetrieb erkennen kann. Sie verwenden nämlich im Prinzip immer dasselbe Drehbuch, manchmal gibt es wie im Fernsehen Spin-offs der Serie, aber das ist dann nur „alter Wein in neuen Schläuchen“.

Ausnutzen von Schwächen und Schaffen von Zeitdruck

Aus der Massenpsychologie, die speziell im Finanzbereich sehr gut erforscht ist, weiß man, dass Gier und Angst enorm starke Antriebskräfte sind. Der Nachteil: Sie verleiteten zu fatalen Fehlentscheidungen. Dies gilt umso mehr, wenn man dem Gehirn keine Zeit gibt, die Emotionen zu kontrollieren und die Folgen des Handelns zu bedenken. Das Volk wird aufgewiegelt (Agitation), es soll gezielt in Panik gesetzt werden (“I want you to panic“), damit es leichter zu lenken wird.

Das aktuelle Beispiel der gezielt geschürten Massenhysterie beim Thema Klimawandel ist ein Musterbeispiel dieser Vorgehensweise. Der rational handelnde deutsche Politiker würde sich fragen, ob er – unterstellt das Worst-Case-Szenario wäre wahr – etwas gegen diese Entwicklung tun könnte. Da das nicht der Fall ist, wäre es ratsam, CO2 direkt aus der Luft „einzufangen“.

Investitionen in diese Forschung wären also sinnvoll. Dann müsste man genau prüfen, welche Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung zu treffen wären (z. B. Deichbau u. ä.) und nur ganz zum Schluss käme der Punkt, an dem sich ein deutscher Politiker fragen müsste, inwieweit bei uns eine CO2-Reduktion erfolgen könnte. Da es keinen Einfluss auf den Klimawandel hat, dürften derartige Maßnahmen natürlich nicht zu negativen Konsequenzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft führen. Ein einfacher Weg, der zudem die Versorgungssicherheit stärkt, wäre der Bau von neuartigen, sicheren Atomkraftwerken (siehe hier und hier).

Der Umgang mit der Atomkraft ist die Gretchenfrage. Wem die Verhinderung des Klimawandels wirklich ein ernstes Anliegen ist, kann sich der Nutzung von Atomkraft nicht verschließen. Wie die Netherlands Environmental Assessment Agency in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ausgeführt hat:

“If climate change control ambitions of some countries remain as high as their current intentions to cut down CO2 emissions by 50% around the middle of the century, nuclear energy could significantly reduce emissions.”

Nur darf man die Bevölkerung bezüglich der Risiken von Atomkraft natürlich nicht weiter täuschen.
Dieses „Panik-Drehbuch“ ist eines der erfolgreichsten Stücke zwecks politischer Manipulation.

So wurde vor der Wiederbewaffnung Deutschlands gewarnt, weil diese zu Krieg führen würde. Dasselbe „in grün“ beim Nato-Doppelbeschluss, weil auch dieser mit Sicherheit zur totalen Vernichtung führen würde, denn die UdSSR könne irgendwie zwingend gar nicht anders handeln, als den Westen genau dann anzugreifen, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis für sie besonders schlecht ist, so die „Logik“. Die alte Weisheit, dass derjenige, der Frieden möchte, sich auf den Krieg vorbereiten müsse („Si vis pacem, para bellum“), wurde ins Gegenteil verkehrt. Eingängiges Motto war: „Besser rot als tot“.

Diese Methode wurde auch bei der Euro-Rettung eingesetzt. Bekanntlich war die Euro-Rettung keine finanz- und währungspolitische Frage, bei der es auf Experten ankäme. Diese hatten sich nämlich aus sachlichen Gründen in großer Mehrheit gegen eine Rettung ausgesprochen.

Die Politik machte dem Volk jedoch weiß, dass es um die Rettung Europas ginge, das sonst (wieder einmal…) durch deutsche Hand vernichtet würde. Die Devise diesmal: „Stirbt der Euro, stirbt Europa.“ Das sind letztlich alles Spin-offs des gleichen Drehbuchs.

Waren es anfangs nur die „ausgebeuteten Arbeiter“, die vor den „bösen Kapitalisten“ gerettet werden mussten, erkannte die Politik schnell, dass der „Helden-Epos“ noch deutlich mehr Potential hat. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, muss nun gerettet werden, denn am deutschen Wesen… egal. Ob es der Wald bei uns oder der Regenwald am Amazonas ist, Bienensterben, Rinder-Wahn, Atomkraft oder Klima, alles eignet sich zur Rettung. Und immer bedarf es staatlicher Eingriffe und Verbote.

Fazit:
Vertraue keinem, der verhindern will, dass der Verstand eingeschaltet wird. Bei gefährlichen und/oder schwierigen Situationen gilt: Ruhe bewahren.


Vorsicht vor Bertas

Neben der Panik, die unter Punkt 1 abgehandelt wurde, gibt es noch einen zweiten Weg, den Verstand geschickt auszutricksen. Loriot hat ihn wunderbar in seinem Sketch „Das Ei ist hart“ gezeigt.

In diesem Sketch moniert bekanntlich ein Mann seiner Frau Bertha gegenüber, dass sein Frühstücksei nicht wie gewünscht weich, sondern hart ist. Er fragt nach, wie sie es denn kocht und bekommt nach einigen Ausweichmanövern („Ich weiß es nicht, ich bin kein Huhn“) die legendäre Antwort: „Eine Hausfrau hat das im Gefühl.“ Da das Ei hart ist, antwortet er mit bestechender Logik, dass dann mit ihrem Gefühl wohl etwas nicht stimme.

Jeder Ehemann weiß, dass er an diesem Punkt das Spiel verloren hat.
Was passiert? Berta hat äußerst geschickt die Kommunikation von der (tendenziell eher männlichen) Sach- auf die (tendenziell eher weibliche) Beziehungsebene gelenkt. Deborah Tannen, Professorin für Linguistik, beschrieb dieses Phänomen der verschiedenen Kommunikationsebenen mit den daraus folgenden Störungen sehr anschaulich und oft auch lustig in ihren Büchern, z. B. „Du kannst mich einfach nicht verstehen – Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden“.

In dem Sketch ist der Eierkocher der weiße Elefant im Raum. Er ist die sich objektiv aufdrängende Lösung für das Problem, dass das Ei mal hart und mal weich ist. Damit würde das gewünschte Ergebnis zuverlässig erreicht, das Problem wäre gelöst. Berta hätte entweder gleich einen Eierkocher nutzen können, zumindest aber einräumen, dass ihre Eierkochkünste nicht überzeugen. Statt aber einen Fehler einzuräumen, schiebt sie die Kommunikation von der Sachebene weg auf die Beziehungsebene und stilisiert sich als armes, unterdrücktes Opfer. Er weist auf ihren Fehler hin und wird dafür abgestraft, indem er als der böse, herzlose und grausame Mann gebrandmarkt wird.

Es ist ein typisches Merkmal der Merkel-Zeit, vielleicht auch eines aufkommenden Matriarchats, dass unter ihrer Führung genau diese Verschiebung der Kommunikation von der Sach- auf die Beziehungsebene erfolgt ist. Der Sketch von Loriot zeigt die Methode Merkel.

Bei der Klima-Debatte entspricht die Atomkraft sowie die Maßnahmen, CO2 aus der Luft zu filtern, dem Eierkocher. Diese Debatten werden aber ebenso wenig geführt, wie Berta eine Diskussion über den Eierkocher zulässt. Stattdessen kreist die Debatte um die Opfer des Klimawandels, unsere Schuld und die angebliche Pflicht, der gesamten Welt als Vorbild zu dienen – die sich darum aber nicht im geringsten kümmert.

Dieser Sketch repräsentiert aber nicht nur zwei unterschiedliche Kommunikationsstile, vielmehr spiegeln sie unterschiedliche Denkkulturen wider. Die eine, nennen wir sie einfach mal wissenschaftliche, die nach Ursache und Wirkung fragt und die andere, emotional-moralisierende, die sich mit Schuld und Sühne befasst.
Diese unterschiedlichen Kulturen wurden von C . P. Snow in seiner These der „Zwei Kulturen“ näher erläutert.
Interessant ist aber vor allem das Ende des Sketches: Eben weil „er“ einer solchen, das eigentliche Problem ignorierende Kommunikation nicht gewachsen ist, ist er von ohnmächtiger Wut erfüllt.„Ich bring sie um… morgen bringe ich sie um!“. Mit diesem Satz endet der Sketch.

Wer sich also fragt, wo die ganze Wut herkommt, sollte sich überlegen, ob das Verlassen der Sachebene ratsam ist.

Fazit:
Finger weg von Bertas und immer hübsch nüchtern auf der Sachebene bleiben! Nur so löst man Probleme und nur so verhindert man die Spaltung des Landes.



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