Die Ehrendoktorin

Veröffentlicht am

Von Gastautor Olaf Lorke

Am 31.8. machte eine Schlagzeile, vor allem bei uns in Sachsen, die Runde. Unsere Kanzlerin wurde der Ehrendoktortitel der Handelshochschule Leipzig verliehen. Das ist nun ihr 17. Ehrendoktortitel und bereits der zweite in diesem Jahr. Schaut man sich die Liste der Ehrendoktortitel Angela Merkels an, kann man nur vor Ehrfurcht im Boden versinken. Hier ein Auszug:

– Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem, 2007

– Ehrendoktorwürde der Polytechnischen Universität Breslau, 2008

– Ehrendoktorwürde der Fakultät f. Physik und Geowissenschaften, Uni Leipzig, 2008

– Ehrendoktorin Frauenuniversität Seoul/Südkorea, 2010

– Ehrendoktorwürde der Universität Nimwegen, 2013

– Ehrendoktorwürde der Universität Haifa, 2018

– Ehrendoktorwürde der Universität Harvard, 2019

– Ehrendoktorwürde der Handelshochschule Leipzig, 31.08.2019

Bei so vielen Würdigungen müssen wir uns, die öfter Kritik an Angela Merkels Politik üben, tatsächlich fragen, ob wir nicht völlig falsch damit liegen. Immerhin wird, bevor jemand einen Ehrendoktor-Titel bekommt, wissenschaftlich analysiert, ob die/derjenige den Titel überhaupt verdient hat. Diese Prüfungen hat Angela Merkel anscheinend immer bestanden. Kritik an unserer glorreichen Kanzlerin ist also fehl am Platze. Es ist ja irgendwie seltsam, dass die halbe Welt Schlange steht, um Frau Merkel einen Ehrendoktortitel zu verpassen und wir kleinen Bürger haben irgendwie ein anderes Gefühl und hacken ständig auf ihr herum. Wir sind also auf der falschen Seite.

Oder?

Ich möchte nicht versuchen, jede einzelne Würdigung von Angela Merkel zu besprechen oder gar zu kritisieren.

Beispielsweise begründete die Uni Leipzig die Auszeichnung 2008 seinerzeit damit, dass sich die Kanzlerin „bei ihrem Einsatz für den Schutz der Umwelt, Demokratie und Menschenrechte bei Freund und Feind gleichermaßen hohe Achtung erworben“ habe. Da gibt es nichts einzuwenden.

Ich möchte jedoch die Gelegenheit nutzen, um auf die jüngste Ehrung durch die Handelshochschule Leipzig einzugehen. Die „hauseigene“ Begründung bezieht sich darauf, dass Merkel „wichtige Kerngedanken des an der…HHL…entwickelten Leipziger Führungsmodells“ in ihrer Politik umsetzt, um „werteorientiert und ganzheitlich Menschen zu leiten.“ (MDR aktuell am 31.08.2019).

Die Kerngedanken der heutigen Auszeichnung: Merkel wurde für ihren politischen Führungsstil gewürdigt. Die Laudatorin, Christine Lagarde, würdigte die Kanzlerin als „Ausnahmepersönlichkeit“. Sie „habe mit ihrer herausragenden Führungsleistung die Welt geprägt. Die Kanzlerin stehe für Kooperation und nicht für Konfrontation. Sie sei unermüdlich im Einsatz, um Menschen an einen Tisch zu bringen.“

Das alles KANN nicht unkommentiert bleiben. Wir alle schätzen den Fleiß und das Pflichtbewusstsein unserer Kanzlerin. Und ihre (gespielte?) Volkstümlichkeit. Ihre Bla-Bla-Statements mit dem Duktus eines Agitprop-Sekretärs, der sehr an DDR-Zeiten erinnert, schätzen wir eher weniger.

Hier meine Meinungen zu den Lobliedern auf Angela Merkel:

Führungsstärke

Ja, die hat sie zweifellos. Diese beweist sie zuallererst innerhalb des CDU-Vorstandes. Dieser trägt widerspruchslos ihren Politikstil und ist ihr starker Rückhalt in der Partei. Auch nach der Abgabe des Parteivorsitzes an ihre Wunsch-Nachfolgerin hat sich daran nichts geändert.

Angela Merkel hat „Führungsstärke“ auch darin gezeigt, dass sie niemanden, der ihr gefährlich werden könnte, neben sich haben wollte. Sie hat sie alle „weggebissen“ – siehe Roland Koch, Wolfgang Bosbach, Friedrich Merz…

Werteorientierung

Das ist klar zu verneinen. Angela Merkel war und ist bereit, alle konservativen Werte über Bord zu werfen und leider spielen die CDU-Mitglieder zum großen Teil mit. Das ist aus meiner Sicht einer der Gründe für die Spaltung der Gesellschaft. Die Wirtschaft, die über Jahrzehnte unseren Wohlstand erarbeitet hat, wird mit „Ökolismus“ drangsaliert. Merkel lässt gewähren. Meine Meinung: Mit Merkel kann man ALLES machen. Wir werden uns noch wundern, was die Linken und Grünen mit Merkels Unterstützung bis 2021 noch alles durchboxen werden.

Kooperation und nicht Konfrontation

Wir alle erleben fast täglich, wie Angela Merkel versucht, in der ganzen Welt zu vermitteln. Kooperation statt Konfrontation. Das wirkt und macht sie eben auch bei vielen, sehr vielen Wählern, sympathisch. Sie gilt immer noch als sehr beliebte Politikerin in Deutschland.

Meine Meinung: Kompromisse sind gut und wichtig. Aber man darf dabei nicht seine Werte opfern. Das hat Angela Merkel leider getan. Es gefällt vielen Leuten, wenn jemand mit allem lieb Kind ist und überall Kompromisse sucht. Menschlich ist diese Denkweise hoch einzuschätzen. Aber für die Politik taugt dieses Prinzip nicht! Man muss Werte haben, die man verteidigt um jeden Preis!

Die andere Seite ist ihr „moralischer Imperialismus“. So hat es Viktor Orbán (der böse Autokrat) einst formuliert. Sehen wir uns die Kanzlerin in Europa an, so scheint sie manchmal in Großmachtsphantasien zu leben, indem sie ihre eigenmächtigen Entscheidungen im Nachhinein den anderen Mitgliedstaaten versucht aufzudrängen.

Deshalb halte ich hier meine Kritik an der Kanzlerin aufrecht. Und wenn es noch so viele Ehrendoktorwürden gibt: Die Spaltung dieses Landes hat ganz klar Angela Merkel zu verantworten! Sie hat Schieflagen in Europa zu verantworten! Sie hat verhindert, dass Jens Weidmann, Chef der Bundesbank, zum Chef der EZB werden kann. Weidmann, der sich als Einziger gegen die Krisenpolitik der EZB stark gemacht hat. Mittlerweile scheint er zwar „gezähmt“, aber das ist jetzt egal.

Nun lässt sich Angela Merkel ausgerechnet von Christine Lagarde feiern. Mir stößt das sehr bitter auf. Lagarde wird die Draghi-Politik der Niedrig-Zinsen fortführen und Europa und den Euro früher oder später vielleicht in den Abgrund stürzen. Angela Merkel hat dann auch eine Mitschuld. Aber dann will es wieder niemand gewesen sein.

Ich gebe noch einmal ein paar Zitate, die hier auch passen, aus dem Interview in der Zeitschrift „Tichys Einblick“ (08/2019) mit Hans-Georg Maaßen zur Erinnerung.

Zehntausende CDU-Mitglieder sind in den letzten Jahren aus der Partei ausgetreten. Viele sagten sich, die Parteiführung habe sich von den Werten der Partei entfernt.“

Marketingpolitik heißt für mich, dass man sich verhält wie ein Verkäufer…Eine Partei dagegen sollte nicht Modetrends und dem vermeintlichen Zeitgeist hinterherlaufen, um neue Wähler zu gewinnen…Marketingpolitik ist das Gegenteil von Wertepolitik.“ …

Werte und Überzeugungen für austauschbar zu halten…ist auch nicht das, was der Gesetzgeber von den Parteien erwartet hat.“



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