Gottes Überraschungen am 1. April

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von Gastautor Dr. Wolfgang Hintze

Dieses Jahr geschieht etwas seltenes: keine Angst, nicht Ostern und Pfingsten fallen zusammen, sondern Ostern und der 1. April [1]. Das ist eine Gemengelage, in der man mit einigen Seltsamkeiten rechnen darf. Wie ernst diese jeweils zu nehmen sind, sei dem Leser als “Osterrätsel” ans Herz gelegt.

Der Papst [2] teilt urbi et orbi – also der ganzen Welt – mit, “Gottes Botschaften sind immer für Überraschungen gut”. Das beruhigt uns, denn man traut ob der aktuellen Ereignisse immer öfter seinen Augen und Ohren nicht – das sind halt Überraschungen Gottes. Alles klar, Herr Stellvertreter, da fragen wir also nicht weiter nach.

Margot Käßmann [3], die Bischöfin mit Hang zum guten Tropfen, verordnet apodiktisch “Der Islam wird immer zu Deutschland gehören.” und ergänzt trotzig “Da können sich die Leute auf den Kopf stellen.” Solche Ewigkeitspostulate sind nicht neu: die Mauer wird ewig bestehen, das Weltall besteht ewig, das 1000-jährige Reich usw. So richtig durchdacht waren sie alle nicht.

Heinrich Bedford-Strohm [4], Ratsvorsitzender der EKD, beklagt in seiner Osterpredigt im Berliner Dom die Ausgrenzung: “Wenn Jesus wirklich lebt und heute in uns wirkt, dann ist der Weg aus dem Dunkel der Ausgrenzung tatsächlich gewiesen.” und “Jeder Mensch müsse spüren und erfahren, dass er Teil dieser Gesellschaft sei, “dass er gewollt ist, dass er gebraucht wird, dass er einfach sein darf, dass er eine Würde hat””.

Ganz so umfassend scheint allerdings seine Liebe für die Ausgegrenzten nun doch nicht zu sein; so gibt er kund und zu wissen [5], er sei “irritiert von Christen, die die rechtspopulistische AfD wählen.” Die gerade zu “nagelneuen Rechten” gekürten Autoren Tellkamp, Maron und Matussek haben ihn wahrscheinlich ebenso irritiert wie die 76% der Deutschen, die finden, der Islam gehört nicht zu Deutschland …

Unvergessen ist die ökumenisch vollzogene Unterwerfung unter den Islam auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo die Herren Bedford-Strohm und Marx dem Begriff “Kreuzabnahme” eine völlig neue Bedeutung gaben.

Ich gestehe, dass mir angesichts solcher Kirchenleute eine Kombination aus Auferstehung Jesu und seiner einzigen Gewalttat, der Tempelreinigung, ausgesprochen sympathisch wäre.

Last but not least kommt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble [6] mit den vielleicht bemerkenswertesten Deklarationen um die Ecke:

“Der Rest der Bevölkerung muss akzeptieren, dass es in Deutschland einen wachsenden Anteil von Muslimen gibt.”

Mit “Rest” meint Schäuble die Nichtmuslime in Deutschland. Rest ?!? Das ist der immer noch überwiegende Teil der Bevölkerung in Deutschland, der ganz nebenbei den Großteil der Werte schafft, von denen alle gut und gerne leben.

Und warum sollte der “Rest” eigentlich müssen? Seit wann sagt in einer freien Gesellschaft ein Parlamentspräsident, was die Bürger müssen? Er soll doch Diener des Souveräns sein und nicht dessen Zuchtmeister.

Aber Schäuble begründet seinen Befehl: “Wir können nicht den Gang der Geschichte aufhalten.”

Eine Nummer kleiner hätte tatsächlich nicht gereicht, um die für die weitere Existenz Deutschlands fatalen Fehlentscheidungen der Regierungsmannschaften der Altparteien pauschal in einer frechen Volte zu exkulpieren.

Aber es ist wohl nicht nur frech, sondern eher die pure Verzweiflung des Zauberlehrlings, ein Offenbarungseid, der korrekt gelautet hätte “der durch unsere Politik verursachte Gang der Geschichte ist nun nicht mehr aufzuhalten.”

Und, offen gesagt, was ist denn das für ein Tonfall? An eine Beschwörung des “Ganges der Geschichte” durch einen deutschen Politiker kann ich mich nicht erinnern. Dieses schicksalsschwangere Raunen kommt einem trotzdem irgendwie bekannt vor.

Und richtig, es war Joseph Goebbels [7], der 1923 – auch einem Jahr, in dem Ostern auf den 1. April fiel – in einem Traktat mit dem Titel ” Sehnsucht nach einer neuen Welt” schrieb:

“Wir haben einen neuen Menschen, wenigstens den Anfang davon … Das neue Geschlecht wird sich selbst eine neue, ihm gemäße Form geben. Man kann den Gang der Geschichte nicht zurückhalten”.

Wenn im Jahre 2029, also in 11 Jahren, das nächste Mal Ostern auf den 1. April fällt, wird man man mehr wissen. Prognosen über den Gang der Geschichte sind oft missbraucht worden und haben sich häufig genug als falsch erwiesen. Es bleibt also spannend.

Anmerkungen

[1] Zwischen 1901 und 2078 fällt Ostern 13-mal auf einen 1. April (www.maa.clell.de/StarDate/feiertage.html), also in 13/177 = 7,34 Prozent der Jahre.

[2] Papst: “Segen urbi et orbi” (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/rom-papst-ostermesse-2018-vatikan-segen-urbi-et-orbi-auferstehung)

[3] “Margot Käßmann: Lasst uns im Ton abrüsten”, Tagesspiegel 01.04.18, Papier, Seite 1, von Friedhard Teufel

[4] Heinrich Bedford-Strohm: “Aus dem Dunkel der Ausgrenzung” (https://www.presseportal.de/pm/55310/3904069)

[5] Heinrich Bedford-Strohm: “irritiert von Christen, die AfD wählen”, https://www.focus.de/politik/deutschland/heinrich-bedford-strohm-ratsvorsitzender-der-evangelischen-kirche-irritiert-von-christen-die-afd-waehlen_id_8695273.html

[6] Wolfgang Schäuble: https://www.welt.de/politik/deutschland/article175045056/Irrationaler-Hass-Schaeuble-warnt-vor-Antisemitismus-durch-gewaltige-Migration.html

[7] “Der junge Goebbels: Erlösung und Vernichtung”, von Claus-Ekkehard Bärsch, Wilhelm Fink-Verlag 2004 ( https://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-3806-5.html)