Das Land des Lächelns

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Als nächste Premiere in dieser Spielzeit präsentierte das Theater Nordhausen am Freitag, dem 27. März, die Operette von Franz Lehár „Das Land des Lächelns“. Das Werk hat mehrere Arien hervorgebracht, die als Schlager Welterfolge wurden. Dabei handelt es sich um ein Stück, das in seiner ursprünglichen Fassung „Die gelbe Jacke“ 1923 in Wien uraufgeführt und erst nach 105 Vorstellungen abgesetzt wurde. Da die vor dem Ersten Weltkrieg in Europa grassierende Chinaeuphorie in den 30er Jahren ein Revival erlebte, arbeitete Lehár die Vorlage um und ergänzte sie durch die Hits „Dein ist mein ganzes Herz“, den er für den Startenor Richard Tauber komponiert hatte und den dieser bis zu 2500 Mal gesungen hat. Er musste ihn nach Aufführungen der Operette bis zu sechs Mal wiederholen, was heute unfassbar erscheint.

Intendant Daniel Klajner hat Lehár in eine zeitgemäße Form gebracht. Ich bin bei solchen Angleichungen an den Zeitgeist generell skeptisch, muss aber sagen, dass Klajners Fassung sehr frisch wirkt und ohne Anbiederung auskommt.

Franz Lehárs Erfolgswerk – 1929 im Berliner Metropol-Theater uraufgeführt – gehört zu seinen meistgespielten Werken. Neben »Dein ist mein ganzes Herz« sind »Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt« und »Immer nur lächeln« weitere Publikumsrenner enthalten.

Erzählt wird die Geschichte einer großen Liebe zwischen Lisa, einer jungen Frau aus Wien, und dem Chinesen Sou Chong. Wiener Lebensart trifft auf asiatische Zurückhaltung. Unterschiedliche Lebenswelten begegnen einander – und die Frage, ob die Liebe tiefgreifende kulturelle Barrieren überwindet, steht im Mittelpunkt. Lehárs Operette endet nicht mit einem Happy End. Er wollte sich von der »Lüge des Happy Ends« befreien und seine Stücke opernhaft tragisch enden lassen. Daniel Klajner hat sich in seiner Textfassung anders entschieden. Obwohl bei ihm die Mafia ihre Hände im Spiel hat, siegt am Ende die Liebe und das Lächeln.

Klajner führt auch Regie.

Das Liebespaar Nummer eins sind Lisa (Julia Ermakova) und Sou (Kyounghan Seo). Ihre Romanze beginnt an Lisas 18. Geburtstag, als Sou Lisa über ihre Amme ein Geschenk zukommen lässt. Lisa ist auch in den attraktiven Nachbarsjungen verliebt. Sie weist deshalb einen Heiratsantrag ihres Reitlehrers Gustl ab. Leider wirken Lisa und Sou, die in ihren Solopartien locker und beschwingt sind, in ihren Duetten etwas angestrengt. Sie geben stimmlich alles, man hat aber den Eindruck, sie lägen miteinander im Wettbewerb, wer die hohen Töne länger halten kann.

Das zweite Liebespaar sind die Amme (Juliane Bischoff) und der Eunuch (Sven Mattke). Bischoff bringt mit ihrem zauberhaften Lächeln und ihren eleganten Bewegungen viel Grazie in die Inszenierung. Mattke ist ein kongenialer Partner.

Das dritte Liebespaar sind Sous Schwester Mi (Rina Hirayama) und Gustl (Marian Kalus). Sobald Hirayama die Bühne betritt, geht die Sonne auf. Sie bringt so viel überschäumende Lebensfreude und Spiellust mit, dass sie Kalus, der anfangs eine etwas trottelige und als Spion sogar dubiose Figur abgeben muss, aus seiner Misere befreit. Die beiden werden zum perfekten Liebespaar. Kalus kann zeigen, was in ihm steckt. Die beiden sind der absolute Höhespunkt des Stücks. Sie verkörpern das Land des Lächelns.

Bühnenbildnerin Emma Gaudiano lässt das Geschehen in und vor einem chinesischen Restaurant und in der Villa derer von Lichtenfels spielen; die Kostüme von Anja Schultz-Hentrich verleihen dem Setting moderne, elegante Akzente. Das Loh-Orchester Sondershausen spielt unter der Leitung von Julian Gaudiano.

Insgesamt ein gelungener, entspannter Abend, wie er in unseren unentspannten Zeiten besonders gut tut.

Vorstellungen folgen im Frühjahr am 10.4., 26.4., 2.5., 23.5., 24.5.2026. Aufgrund hoher Nachfrage sind Wiederaufnahmen ab Oktober 2026 geplant, Tickets dafür sind ab 22. Mai 2026 erhältlich.



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