Neue Erkenntnisse aus einer Dystopie könnten zur Entlassung von Genderprofessorinnen führen

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An deutschen Hochschulen gibt es nach WIKIPEDIA mehr als 200 Genderprofessuren, für deren Alimentierung der Steuerzahler grob geschätzt jährlich 60 Millionen Euro aufbringen muss. Ein erheblicher Teil der auf diese Stellen berufenen Professorinnen ist damit befasst, die (vermutlich von alten weißen Männern entworfene) deutsche Sprache den berechtigten Forderungen der Genderideologie anzupassen – eine geisteswissenschaftliche Aufgabe von historischen Dimensionen. Trotz unbestritten hoher Qualifikation müssen die Forscherinnen jedoch nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Denn in seinem Roman „2054 – Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit“ hat der Autor vierzig Jahre ihrer noch ausstehenden Forschungsarbeit vorweggenommen. Er zeigt, dass für vollständige Gendergerechtigkeit ein grundhafter Umbau auch der Grammatik unabdingbar ist. Das Ergebnis seiner Transformation bringt nicht nur die Genderlinguistik zu einem Abschluss, sondern verleiht auch deutschen Sprache eine „bislang ungeahnte Klarheit und linguistische Ästhetik“. Deshalb werden sie nachstehend in einer weiteren Leseprobe aus dem Roman „2054 – Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit“ von Wulf Bennert vorgestellt.

  1. Kapitel: Besser sprechen

Das Lehrerkollegium hatte sich zur Weiterbildung in der Aula versammelt, die seit einigen Jahren die Bezeichnung „Saal der Demokratie“ trug. Eigentlich war der Raum für den vorgesehenen Zweck viel zu groß, doch Frau Greil-Rottloff hielt seine Nutzung wegen der prominenten Referentin für angemessen und hatte das Redner I nnenpult mit dem Strauß aus Plastikblumen dekorieren lassen, der für solche Anlässe im Lehrerzimmer aufbewahrt wurde. Die Direktorin des Instituts für fortgeschrittene interaktionstheoretische Genderstudien in der Linguistik, Frau Professor Doktor Müller-Weichmann betrat gemeinsam mit der Schuldirektorin den Raum, gefolgt von einer Entourage aus fünf Mitarbeiterinnen des Instituts, die in der freien ersten Stuhlreihe Platz nahmen. Frau Greil-Rottloff begrüßte die Professorin offiziell „mit größter Freude“, versicherte sie der gespannten Aufmerksamkeit des gesamten Kollegiums und wünschte einen großen Erfolg ihres Vortrages „sozusagen von Direktorin zu Direktorin“ – ein faux pas, der ihr einen empörten Blick der Professorin einbrachte. Die Direktorin des Instituts für fortgeschrittene interaktionstheoretische Genderstudien in der Linguistik legte ihren Kicomp auf das Rednerpult, betrachtete eine kleine Weile das Auditorium und begann den Vortrag mit einer Frage:

Wie wünschen Sie angesprochen zu werden? Liebe Lehrerinnen und Lehrer? Oder: Liebe Lehrer I nnen? Beziehungsweise: Liebe Lehrende? Alle drei vermeintlich gendergerechten Begrüßungsvarianten haben Nachteile, die so erheblich sind, dass man von ihrem Gebrauch tunlichst absehen sollte. Vielleicht denkt jetzt jemand von Ihnen, dass ja auch eine Anrede unter Benutzung der Begriffe „Kollegium“ oder „Lehrerschaft“ möglich sei. Dies wäre jedoch gleichbedeutend mit der Verdrängung einer gendertypischen Problematik und damit unvereinbar mit der Arbeitsethik unseres Instituts. Bevor ich auf die sozialen und ökonomischen Defekte der drei erstgenannten Anreden zu sprechen komme, gestatten Sie mir ein paar Vorbemerkungen zum Terminus des Geschlechts. Dieser Begriff ist von außerordentlicher Bedeutung, bestimmt unsere Geschlechtszugehörigkeit doch unsere gesellschaftliche Positionierung und welche Möglichkeiten wir innerhalb des gesellschaftlichen Rahmens haben. Wie Sie alle wissen, wurde in kapitalistischen Zeiten der Geschlechtsbegriff biologistisch als ausschließliche Dualität von männlich und weiblich definiert und diente damit der Festigung eines patriarchalischen Machtanspruchs. Für uns Heutige ist es schwer vorstellbar, dass damals nichtbinäre Geschlechtsidentitäten nicht anerkannt wurden, was millionenfaches Leid und in zahllosen Fällen auch den Tod zur Folge hatte. Heute ist die Vielfalt der Gechlechtsidentitäten eine Selbstverständlichkeit; jedes Kind kann wichtige nichtbinäre Identitäten aufzählen, wie etwa:

Bigender mit zwei Geschlechtsidentitäten, die sich abwechseln oder auch beide gleichzeitig existent sein können,

Genderfluide Menschen, für die sich Geschlecht fließend und beweglich anfühlt, mal eher männlich, dann wieder eher weiblich,

Agender, die sich gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen,

Demigirl bzw. Demiboy, die sich halb männlich und halb weiblich fühlen, 

Neutrois-Personen, die eine neutrale Geschlechtsidentität haben.

Wer von Ihnen weiß überhaupt, dass erst seit dem Jahre 2018 in die Personaldokumente in der Spalte „Geschlecht“ außer „männlich“ und „weiblich“ noch „divers“ eingetragen werden konnte? Dies war damals allerdings noch ein die geschlechtliche Vielfalt undifferenziert ignorierender und damit diskriminierender  Begriff. Es dauerte danach fast zwanzig Jahre, bis nichtbinäre Geschlechtsidentitäten frei wählbar eingetragen werden konnten – heute eine Selbstverständlichkeit.

Eine fundamentale Erkenntnis der Genderforschung ist der Charakter des Geschlechts als soziale Konstruktion. Damit benennt das englische Wort „gender“ präzise die gesellschaftliche, also die soziale Dimension von Geschlecht. Es findet eine alltägliche kontinuierliche Herstellung von Geschlecht statt, an der sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft beteiligt sind. Diesen Prozeß bezeichnet man als „doing gender“. Auch das rein biologische Geschlecht ist als Kontinuum aufzufassen – Grundlage des Verständnisses für Transgendermensch I nnen, die nach einer Veränderung ihrer aktuellen Geschlechtsidentität streben. Neueste Studien zeigen übrigens, dass für solche Transformationen die Beschaffenheit der Geschlechtorgane von untergeordneter Bedeutung ist; eine entscheidende Rolle spielt die soziale Akzeptanz. Damit werden auch geschlechtsangleichende medizinische Maßnahmen immer entbehrlicher – eine wichtige Information für unser Gesundheitswesen, welches durch die permanenten Anstrengungen zur Pandemievorsorge völlig überlastet ist und daher derartige Eingriffe ohnehin nicht leisten kann. Umso wichtiger ist es, dass wir uns alle einer gendergerechten Sprache und Schreibweise bedienen; unsere Intention muss es sein, alle Geschlechtsidentitäten gleichermaßen anzusprechen und sprachlich sichtbar zu machen. Bei diesem Bemühen sind natürlich auch andere große Ziele unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, wie der Kampf gegen die Klimaapokalypse nicht aus den Augen zu verlieren.

Schauen wir uns die eingangs erwähnten drei Anreden unter diesen Gesichtspunkten einmal näher an und beginnen wir mit „Liebe Lehrende!“. Hier wird das Partizip I als Berufbezeichnung verwendet. Dieses Partizip drückt aber definitionsgemäß Gleichzeitigkeit aus oder eine im Moment des Geschehens stattfindende Tätigkeit. Haben Sie im Moment Ihrer Begüßung gelehrt? Nein, und deshalb ist dieses Partizip als Anrede ungeeignet. Bei anderen, aus Tätigkeiten abgeleiteten Berufsbezeichnungen wird dies noch deutlicher. Beispielsweise kann man Notare kaum mit „Liebe Notierende“ anreden, auch deshalb, weil das Notieren nur einen verschwindend geringen Teil ihrer beruflichen Tätigkeit ausmacht.

Nun wenden wir uns der Formulierung „Liebe Lehrerinnen und Lehrer!“ zu. Sie ist deutlich länger als die erste Variante. Dabei habe ich noch Glück, nicht vor der Belegschaft einer Abteilung des kommunalen Entsorgungsbetriebes zu sprechen; ich hätte sonst sagen müssen: „Liebe Sonderabfallentsorgungsmitarbeiterinnen und Sonderabfallentsorgungsmitarbeiter!“ Wir haben in unserem Institut den zusätzlichen gesamtgesellschaftlichen Aufwand abgeschätzt, der bei konsequenter Anwendung der Langform entsteht: durch Mehrverbrauch von Strom infolge verlängerter Redezeit, durch höheren Papierverbrauch bei Schriftstücken aller Art, letztlich auch durch Verkürzung der produktiven Arbeitszeit in unserer Solidarwirtschaft wegen der längeren Dauer von Besprechungen und Versammlungen. Dabei sind wir auf einen jährlich dreistelligen Millionenbetrag von Neuro gekommen, dessen Höhe für sich genommen schon einen konsequenten Verzicht auf die gendergerechte Langform der Anrede nahelegt. Das geradezu krankhafte Anschwellen des Dudens zu Beginn der zwanziger Jahre ist ein historischer Beleg für diesen Effekt. Außer dem rein finanziellen Aspekt sind noch zwei weitere wichtige Tatsachen zu erwähnen:

– Zum einen wird mit einer solchen Reduzierung von Ressourcenverschwendung ein Beitrag zu Verhinderung der Klimakatastrophe geleistet.

– Zum anderen hat eine Verringerung des Redevolumens auch eine Verminderung der Emission anthropogener Aerosole zur Folge – ein aus epidemiologischer Sicht bedeutsamer Fakt.

Es bleibt noch die Betrachtung der scheinbar korrekten Variante „Liebe Lehrer I nnen!“. Tatsächlich ist sie aber völlig ungeeignet, die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten zu symbolisieren. Der zu einem vertikalen Strich mutierte Kleinbuchstabe i verleiht dem Wort ein ausgesprochen binäres Erscheinungsbild. Und – wie unsere Untersuchungen eindeutig ergeben haben – fühlen sich die Träger von nichtbinären Gechlechtsidentitäten durch diesen Strich nicht symbolhaft vertreten, sondern erheblich diskriminiert. Noch stärker wird die Diskriminierung im Sprachgebrauch durch die Pause empfunden, welche bei der Aussprache des Wortes einzulegen ist. In Anbetracht der eben erwähnten sozialen Verpflichtung gegenüber den nichtbinären Identitäten ist es geradezu eine Provokation, das reiche Spektrum nichtbinärer Geschlechtsidentitäten dadurch berücksichtigen zu wollen, dass man eine gewisse Zeitspanne lang nichts sagt, während „männlich“ und „weiblich“ jeweils durch Häufungen von Konsonanten und Vokalen gewürdigt werden. Diese dritte Variante der Anrede ist also ebenfalls mit unnachsichtiger Konsequenz zu verwerfen!

Doch das Problem der gendergerechten Anrede ist nicht unlösbar. Der Ausweg, welcher in dem von mir geleiteten Institut entwickelt wurde, löst nicht nur vollständig das Gerechtigkeitsproblem, sondern gibt der deutschen Sprache einen Impuls, welcher ihr eine bislang ungeahnte Klarheit und linguistische Ästhetik verleiht. Nun bitte ich um konzentrierte Aufmerksamkeit für die Darstellung der neuen Regeln, die in ihrer Schlichtheit sehr einprägsam sind! Ich werde sie mit Beispielen veranschaulichen.

  1. Völliger Verzicht auf die Anrede „Herr“ und „Frau“

Diese Anrede bedeutet die soziale Zuweisung einer rein binären Geschlechlichkeit und stellt damit eine soziale Nötigung dar. Stattdessen sind konsequent die Vornamen zu verwenden, wie dies in anderen Sprachräumen durchaus üblich ist.   

Beispiel  alt: Herr Müller, Frau Mugabi    neu: Mike Müller, Santatra Mugabi

  1. Sollte in Ausnahmefällen der Vorname nicht bekannt sein, so kann er durch das klein geschriebene Wort uno (vom englischen Wort unknown abgeleitet) ersetzt werden

Beispiel alt: Herr Müller, Frau Mugabi    neu: uno Müller, uno Mugabi

  1. Belebte Substantive erhalten nur noch die Endung -um

Auch dies ist erforderlich, um soziale Nötigungen durch binäre Endungen zu vermeiden.

Beispiel  alt: Schüler, Schülerin     neu: Schülerum

  1. Die Endung –um ändert sich bei der Deklination nicht

Beispiel alt: das Gehalt des Lehrers  neu: das Gehalt des Lehrerum

  1. Der Plural belebter Substantive wird durch ein Anhängen von e gebildet

Beispiel  alt: Schülerinnen             neu: Schülerume

  1. Bestimmte Artikel in genderabhängiger Form vor belebten Substantiven werden generell durch uno (vom englischen Wort unknown abgeleitet) ersetzt

Beispiel alt: die Lehrerin, der Lehrer      neu: uno Lehrerum

               aber Plural alt: die Lehrer         neu: die Lehrerume (hier ist „die“ genderneutral)

  1. Adjektive, die vor belebten Substativen stehen, erhalten nur noch die Endung –um

Beispiel alt: lieber, liebe               neu: liebum

               alt: fleißiger, fleißige     neu. fleißigum

               aber Plural alt: liebe, fleißige    neu: liebe, fleißige (weil Endung hier genderneutral) 

  1. Für Demonstrativpronomen vor belebten Substantiven gelten dieselben Regeln wie für bestimmte Artikel

Beispiel alt:  dieser, diese              neu: diesum

               alt: derselbe, dieselbe     neu: unoselbe

  1. Personalpronomen und ihre Deklination

In der folgenden Übersicht sind die neuen Formen fett gedruckt:

 Singular    Plural  
 1.Pers.2.Pers.3.Pers.  1.Pers.2.Pers.3.Pers.
Nominativichduersieeswirihrsie
   unouno    
Genitivmeiner/sdeiner/sseiner/sihrerseinerunsereuerihrer
 meinumdeinumseinumunos    
DativmirdirihmIhrihmunseuchihnen
   unomunom    
AkkusativmichdichIhnsieesunseuchsie
   unouno    

 

  1. Possessivpronomen werden genauso behandelt wie Personalpronomen.

Diese kristallklaren, übersichtlichen Regeln erlauben es mir nun, Sie alle absolut gendergerecht anzusprechen:

                                                   Liebe Lehrerume!

Und – um die faszinierende Ästhetik der neuen Sprachregelung zu erfassen – noch ein paar Vergleiche zwischen alt und neu:

alt:   Ich treffe meinen Bruder Mohammed. 

neu: Ich treffe meinum Geschwister 1 Mohammed.

alt:   Ich sehe meine Schwester Alima.

neu: Ich sehe meinum Geschwister 2 Alima.

alt:    Die Mutter meines Freundes kennt meine Lehrerin und Herrn Sülcük.

neu:  Elter 1 meinum Freundum kennt meinum Lehrerum und uno Sülcük.

Liebe Lehrerume, haben Sie bei meinen Ausführungen so gut aufgepasst, dass Sie den Grund für das Einfügen des Wortes „uno“ im letzten Beispiel benennen können? Für die weniger Aufmerksamen unter Ihnen: Der Vorname der Person Sülcük ist nicht bekannt! Damit will ich meinen Vortrag beenden.“

Die Schuldirektorin Frau Greil-Rottloff sprang auf und klatschte aus Leibeskräften Beifall, die Lehrerschaft folgte sitzend ihrem Beispiel. Als der minutenlange Applaus verklungen war, bot die Referentin an, Fragen aus dem Auditorium zu beantworten. Der alte Sportlehrer meldete sich, und ehe Frau Greil-Rottloff einschreiten konnte, hatte er schon seine Frage gestellt: „ Frau Professorin, glauben Sie wirklich, dass sich jemand dieser von Ihnen erfundenen Sprache bedienen wird?“ Die Referentin bedeutete der mit dem Ausdruck des Entsetzens erneut aufgesprungenen Frau Greil-Rottloff, sie möge sich nicht einmischen und antwortete: „Da Sie anscheinend ein Freund von rückwärtsgewandter Ausdrucksweise sind, spreche ich Sie mit „mein Herr“ an: Mein Herr, diese  Ergebnisse unserer fortgeschrittenen interaktionstheoretischen linguistischen Forschungsarbeiten, an denen übrigens die fünf hier anwesenden Doktorandume mitwirkten,  wurden dem Hohen Rat für Generationengerechtigkeit vorgelegt. Dieser hat die allgemeine Anwendung im Kommunikationsverkehr der öffenlichen Hand und ihre Aufnahme in die Lehrpläne der Schulen bereits von der Regierung gefordert. Damit sind alle Weichen gestellt. Die Medien haben uns größtmögliche Unterstützung zugesichert und es ist Ihre Pflicht und Schuldigkeit , sehr geehrte Lehrerume an dieser Schule, die Sprache unserer demokratischen Zukunft allen Kindern zu vermitteln. Und zwar so, dass sie diese Sprache lieben! Lassen Sie sich gesagt sein: Es gab schon in den Zwanziger Jahren ein paar Ewiggestrige, die sich der damals aufkommenden Genderkultur in den Weg stellen wollten. Ihr Widerstand wurde binnen kürzester Zeit weggefegt. Gibt es weitere Fragen?“

Es gab keine weiteren Fragen.

Das Buch kann für 16,80 € unter www.kaleidoscriptum-verlag.de bestellt werden.

 

 

 

 

            

 

 

 

 

         

 



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