Sind wir im falschen Film oder in der Realität? (Teil 2)

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Von Gastautor Annette Heinisch

Mutti ist in Hochform. Berlin ist ihr Feldherrnhügel, von dem aus sie die Geschicke – immer das Ende im Blick – lenkt. Unklar ist noch, wessen Ende, aber das macht das Ganze ja erst spannend.

Um sich schart sie die Experten, welche die klare Linie vorgeben, die Mutti mit ruhiger Hand und die Zügel fest im Griff verfolgt. Man hat den Eindruck, die Virologen würden das Land regieren, was ein geschickter Schachzug ist: So ist Mutti aus der Verantwortung!

Aber es tauchen Hindernisse auf, die sie als Heldin natürlich meistern muss. Erst einmal quengeln die Darsteller aus dem Klima – Film nebst Entourage. Die hatten ihre Fan – Artikel noch gar nicht ganz verteilt und fühlen sich jetzt vernachlässigt. Überhaupt waren es „ihre Toten“, um die es ging, nicht die von Corona. Wenn die an Corona sterben, insbesondere ältere Leute, ist es egal, denn der Tod würde ja nur vorverlegt und „die Überbevölkerung der Welt ist übrigens die nächste Müllschwemme.“

Ich muss sagen, dass ich persönlich das Drehbuch an dieser Stelle doch etwas geschmacklos fand, mag sein, dass ich einfach zu zartbesaitet bin. Aber selbst, wenn man ein überzeugter Sozialdarwinist ist, müsste einem doch ein klitzekleines bisschen der logische Bruch auffallen. Wenn Menschenleben egal sind, die Überbevölkerung ein Problem ist, man sogar auf Kinder wegen des Klimawandels verzichten soll, dann kann man sich nicht nur die ganzen Krimis und Mordanklagen und so ein Gedöns schenken, sondern auch die Klima – Rettung. Die macht doch dann überhaupt keinen Sinn mehr, für wen oder was soll man das Klima denn retten? Man müsste auch keine Migranten oder sonst wen retten, die sterben doch sowieso irgendwann, also wozu der Aufstand? Die ganzen schönen Konzepte für Drehbücher gingen den Bach herunter. Ehrlich, an diesem Skript muss noch gefeilt werden!

Aber dann gab es auch noch andere Nörgler. Die einen finden alles falsch, was Mutti macht, weil die Tatsache, dass sie es macht, als solche ein ziemlich guter Kontraindikator ist. Andere fanden es nicht so prall, dass sie letztlich nichts Neues macht. Es gibt nur immer weniger Freiheit, mehr Strafen, mehr Steuern. Wo bleibt da der Spaß?

Dann spielen sich auch noch ein paar Nebenrollen auf, die Provinzfürsten zum Beispiel. Die wollen doch glatt eine ernsthafte Sprechrolle haben und zetteln eine Revolution an. Machtübernahme!

Ein Desaster, Deutschland wird zum „Flickenteppich“. Katastrophal für die armen kleinen Bürger! Gut, es ist jetzt nicht so, dass viele täglich mehrfach zwischen allen Ländern pendeln, aber würden sie es, müssten sie doch glatt googlen, was wo erlaubt ist. Ob die Bürger überhaupt lesen und verstehen können, was da steht, weiß man auch nicht, gerade wo jetzt Schulen ausfallen, da verdummen doch alle, kann man überall nachlesen. Mutti war ziemlich fertig, wollte fast aufgeben, sie „wunderte sich zuletzt, wie stark einige doch an ihren Partikularinteressen festhalten wollten.“ Aber Mutti setzte einen Notfallmechanismus durch, nur wenn alle artig sind, „den Bogen nicht überspannen“, dürfen sie alleine draußen spielen, sie setzte aber ein Limit. „„Deshalb werden die Länder sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept unter Einbeziehung der zuständigen Landesbehörden umgesetzt wird“, lautet der Beschluss.

Wenn angesichts auch dieses zweiten großen Öffnungsschritts die Neuinfiziertenzahlen weiter niedrig bleiben, sollen die Länder in eigener Verantwortung vor dem Hintergrund landesspezifischer Besonderheiten und des jeweiligen Infektionsgeschehens die verbliebenen Schritte auf der Grundlage von Hygiene- und Abstandskonzepten der jeweiligen Fachministerkonferenzen gehen.“

Mutti hat also aufopfernd für ihr Volk gekämpft, versucht, es vor den bösen Provinzfürsten mit ihren Machtgelüsten zu retten, bevor die nun auf Kosten ihrer Bevölkerung ihre Machtgelüste befriedigen. Was für eine Inszenierung, einfach grandios!

So endet die zweite Episode, nun ist erst einmal Sendepause, aber ich bin schon sehr gespannt auf die dritte. Da wird jetzt wahrscheinlich wieder zum Robin Hood – Drehbuch gewechselt werden!



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