Der Weg Gottes oder der IS ist unter uns

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Eine weniger beachtete Meldung dieser Tage bei n-tv war, dass der IS die Corona-Krise ausnutzen will und zu Anschlägen in Europa aufruft. Nicht zu großen, organisierten Attacken, sondern zu „kleinen“ von entschlossenen Aktivisten, mit dem Auto oder dem Messer. In Paris scheint dieser Aufruf schon befolgt worden zu sein, darauf lässt eine kürzliche terroristische Messerattacke schließen. Um so wichtiger ist, sich diese Gefahr bewußt zu machen und Aufklärung darüber zu betreiben, welcher Sprengstoff sich schon mitten unter uns angesammelt hat.

Dieser Aufgabe hat sich der Dresdener Autor Tom Wendner gewidmet, der zum Thema einen Thriller geschrieben hat, der sehr ungewöhnlich ist. Er enthält neben dem spannenden Plot jede Menge Informationen über den Islamismus und seine geistigen Grundlagen. Im Anhang finden sich über 200 Quellen, auf die sich der Autor gestützt hat.

Die Handlung spielt an einem Tag in Berlin. Der Religionswissenschaftler Paul Kampel, dessen Sohn zum Islam konvertiert ist und sich dem IS angeschlossen hat, bekommt Besuch von der Kommissarin Lisa Albers vom Bundeskriminalamt, die einer Spezialeinheit zur Terrorismus-Bekämpfung angehört. Der Kommissarin war es gelungen, einem Anwärter, der vom IS rekrutiert werden soll, den Anhänger abzunehmen, in dem die erste Anweisung für die Probe, die der IS-Anwärter für seine Aufnahme zu bestehen hat, enthält. Die Kommissarin braucht die Hilfe des Islamspezialisten, um die Anweisungen zu entschlüsseln. Sie gewinnt Kampels Mitarbeit durch den Hinweis, dass die Lösung der Aufgaben zu dem Mann führen würde, der in Berlin auch Kampels Sohn Dominic für den IS rekrutiert hat.

Es beginnt eine Jagd durch das vorweihnachtliche Berlin, denn die beiden werden von einem IS-Kämpfer verfolgt, der sich selbst Dschinn, der Geist, nennt und der Mann für spezielle Missionen ist. Er hatte den Auftrag, den Anwärter auf dem Weg der Lösung seiner Aufgaben zu überwachen. Er hat beobachtet, wie die Kommissarin, die den Rekruten, den sie ihrerseits unter Beobachtung hatte, in einer stillen Nebenstraße außer Gefecht setzte und ihm den Anhänger abnahm. Der zweite Auftrag an den Dschinn lautet, der Kommissarin den Anhänger wieder abzunehmen.

Die Jagd führt auf fünf verschiedene Schauplätze von Berlin, im Finale zur Sehitlik-Moschee in Neukölln, wo zwei islamistische „Märtyrer“ in Ehrengräbern liegen, die von einem osmanischen Kriegsgericht wegen ihrer Verbrechen während der Armenier-Verfolgung zum Tode verurteilt worden waren. Am Ende treffen die Kommissarin und Kampel in einer weiteren Moschee, die sich in einer ehemaligen Kirche befindet, auf den Mann, der für den IS Dschihadisten rekrutiert. Es war ein bekannter Vorzeige-Muslim, der als scheinbar gut integrierter Vertreter eines friedlichen Islam gern gesehener Talkshowgast war.

Auf dem Weg zur Lösung der fünf Rätsel der Fitna, so wird die Prüfung für die IS-Anwärter genannt, lernt der Leser alles Wissenswerte über die theologischen Begründungen der Islamisten, aber auch viel über den Islam. Im Grunde handelt es sich um ein Sachbuch in Gestalt eines Thrillers. Warum der Dschinn, als er am Ende in Schussweite von Kampel, der Kommissarin und dem Anwerber des IS kommt, nicht die beiden Ungläubigen, sondern seinen Glaubensbruder erschießt, wird hier nicht verraten, denn das ist das wirklich überraschende Ende der Geschichte.

Bevor sich ihre Wege wieder trennen, beantwortet Kampel die Frage der Kommissarin, ob der Islam nun eine Religion des Friedens oder der Gewalt sei, mit einem interessanten Vergleich.

Vor dreihundert Jahren führten die Physiker eine hitzige Debatte über das Licht. Die Partei von Isaac Newton war der Meinung, das Licht bestehe aus einzelnen Teilchen, die Gegenpartei war der Auffassung, das Licht bestehe aus Wellen. Erst die Quantenphysik löste vor hundert Jahren das Rätsel: Das Licht besteht aus Wellen und aus Teilchen. Seitdem spricht man vom Welle-Teilchen-Dualismus. Der Islam ist von einem ähnlichen Dualismus geprägt. Er ruft sowohl zum Frieden, als auch zur Gewalt auf, obwohl sich das eigentlich ausschließt. Warum das so ist, weiß der Leser am Ende des Thrillers, der ihm neben spannender Unterhaltung jede Menge Informationen über den Islam geliefert hat.

Den Thriller gibt es leider nur als E-Book, dafür aber kostenlos, weil Tom Wendner mit seinem Werk kein Geld verdienen, sondern aufklären möchte. Bleibt zu hoffen, dass der Autor sich das noch anders überlegt und eine Printausgabe in Auftrag gibt, denn dieses Buch würde man gern verschenken.

Auf dem Weg Gottes



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