Der Pyrrhussieg der Haltungschristen

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von Gastautor Torsten Küllig

Sie haben es wieder einmal geschafft. Ein Wächterrat von „Haltungschristen“ hat diesmal keinen Geringeren als den eigenen Landesbischof Dr. Carsten Rentzing zu Fall gebracht.

Was war geschehen? Was hat sich der Bischof um Gottes Willen zu Schulden kommen lassen?

Eine Gruppe „Bekennende Christinnen und Christen in Sachsen“ hat eine Petition „Aufforderung zur Stellungnahme und Distanzierung von den Neuen Rechten – Nächstenliebe verlangt Klarheit“ verfasst.

In dieser Petition wird nicht etwa seine derzeitige Amtsführung thematisiert. Nein, es geht im Wesentlichen um die dreißig Jahre zurückliegende studentische Vergangenheit des Bischofs.

Mitinitiator und Erstunterzeichner ist Pfarrer Andreas Dohrn aus Leipzig. Er sagt: „Es geht einerseits in der Petition darum, den Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Sachsen aufzufordern, sich von neuen rechten Denkbewegungen abzugrenzen und anderseits seine Mitgliedschaft in der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia zu beenden.“

Die Mitgliedschaft zu beenden, lehnt der Bischof ab. Obwohl er nicht mehr aktiv sei und den Mitgliedsbeitrag nur pro forma zahle, will er die alten Freundschaften nicht abreißen lassen. Warum ihm das so wichtig ist? Er sagt: „Das ist eine sehr persönliche Frage, die auch nur persönlich beantwortet werden kann und nicht in der Öffentlichkeit, sondern mit den Freunden.“

Eine redliche Einstellung könnte man meinen. Aber beim Lesen des Textes der Petition, könnte man fast den Eindruck bekommen, Herr Rentzing sei der Spitzenkandidat der NPD bei der letzten Landtagswahl gewesen.

Denn die „Haltungschristen“ erwarten vom Bischof eine öffentliche und deutliche Distanzierung von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien.

Es geht den Initiatoren also einzig und allein um weltliche Dinge.
„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22,21) scheint für die Christen „Neuen Typs“ offensichtlich nur noch eingeschränkt zu gelten. Aber wen wundert’s in Zeiten, in denen ein Kirchtage eher wie ein Parteitag der Grünen daherkommt.

Schauen wir uns deshalb doch einmal auch die weltlichen Aktivitäten des Erstunterzeichners Pfarrer Andreas Dohrn genauer an.

Ein Pfarrer ist gleichzeitig Aktivist und hat eine politische Gesinnung? Geht das überhaupt?

Kein Problem, wenn es die richtige ist. So hat er offensichtlich keine Bedenken, bei www.herzkampf.de gleich neben der direkt gewählten LINKEN-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel zu erscheinen.

Wen juckt es da, dass Frau Nagel vor einem Graffiti mit der Aufschrift „NO COPS“ steht. Da muss man schon mal fünfe gerade sein lassen, auch wenn man Pfarrer ist, vor allem insbesondere dann, wenn Bodo Ramelow, der Ministerpräsident von Thüringen, ebenfalls von der SED-Nachfolgepartei, sich auch für dieses Projekt ablichten lässt. Sie sind Mitglieder ausgerechnet der Partei, die alles andere als kirchenfreundlich eingeschätzt werden kann. Siehe Antwort auf die Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE Drs.-Nr.: 6/16572 vom 10. April 2019 zum Thema: Die Kirchen und die Kassen – wie der Staat die Kirchen finanziert.

Die „Neubautznerin“ Annalena Schmidt, die sich ganz selbständig und ohne fremde Hilfe in Bautzen einen speziellen Ruf erarbeitet hat und selbst der SPD-Oberbürgermeister Alexander Ahrens in einem Zeitungs-Interview ihr attestierte „dass sie am Faktor Toleranz noch ein bisschen arbeiten sollte“ ist, so wie der ehemalige Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Kasek, bei dem Projekt „Herzkampf“ ganz selbstverständlich auch dabei.

Soweit so gut, aber worauf will ich hinaus?

Alle diese Personen sind in der Vergangenheit nicht unbedingt für eine besonders moderate Position in der Auseinandersetzung mit politisch Andersdenkenden aufgefallen. Das steht ihnen auch sicherlich frei, aber was ist, wenn sich ein Leipziger Pfarrer der Landeskirche mit diesen Aktivisten gemein macht?

Wie sieht es dann mit der Verkündigung oder gar mit der Mission des Glaubens aus?

Bedingung für Mission, schreibt der Apostel Paulus, ist Freiheit (Gal 5,1)

Mich beschäftigt die Frage, woher ein Gottesdiener, der sich eher als Aktivist denn als Geistlicher sieht, die Chuzpe hernimmt, eine Petition zu starten, in der es heißt „Mit dieser Haltung können Sie nicht die Evangelisch-lutherische Landeskirche repräsentieren. Sie sprechen nicht für uns als Christinnen und Christen dieser unserer Kirche.“

Glauben die knapp 1000 Unterzeichner der Petition wirklich, sie können für alle 750.000 Christen der sächsischen Landeskirche sprechen? Sie mögen den angekündigten Rückzug von Bischof Dr. Rentzing als Triumph empfinden. Es könnte aber auch viele Christen veranlassen, einer Landeskirche mit einseitig politischer Ausrichtung den Rücken zu kehren. Die Freikirchen verzeichnen jedenfalls derzeit einen regen Zuwachs.

Vielleicht haben die Petenten letztendlich der Kirche einen Bärendienst erwiesen. Das kann passieren, wenn man mit dem Herzen kämpft und nicht fühlt!

Die Bibel sagt in 1. Korinther 10, 12: Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.


Wenn Sie für den Verbleib des Sächsischen Landesbischofs stimmen wollen, können Sie hier eine Petition unterzeichnen.



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