Das war nicht dein Ernst Cicero oder Elitz` entgangene Chance

Veröffentlicht am

Von Gastautor Jörg Bernig

Ein neues Kennzeichen D?

Ernst Elitz veröffentlichte am 3. April 2018 in Cicero.de seine Gedanken zur ›Gemeinsamen Erklärung 2018‹ unter der Überschrift ››Eine entgangene Chance‹‹ – und ließ sich gleich im ersten Satz die Chance entgehen, journalistisch sauber zu arbeiten. Denn Uwe Tellkamp hat nicht auf der Leipziger Buchmesse ››seinem Unmut über eine Einwanderung ohne Pass und ohne klare Regeln Ausdruck gegeben‹‹, sondern während einer Podiumsdiskussion mit Durs Grünbein, die am 8. März im Dresdner Kulturpalast stattfand. Ernst Elitz attestierte Tellkamp angesichts dessen Gedanken zu den Migrations-Motiven zudem, dass er ››sich dabei in den Zahlen schwer verstolperte‹‹. Leider ließ sich Ernst Elitz im selben ersten Satz seines Textes gleich eine weitere Chance entgehen, nämlich die, mit den besseren Zahlen aufzuwarten, in deren Besitz er zu sein scheint, denn sonst könnte er nicht so gewiss formulieren.
Wir lernen daraus, dass es in unserer Zeit gar nicht so leicht ist, guten und ordentlich gearbeiteten Journalismus zu finden.

Es gibt darüber hinaus noch mehr zu lernen. Angehende Journalisten sollten Texte wie den von Ernst Elitz studieren, um solche später nicht selbst zu schreiben. Ich lese den Text und sehe, dass er sich ja gar nicht mit der Gemeinsamen Erklärung 2018 beschäftigt. Ein paar Floskeln, ein wenig Paternalismus in Richtung der ››Truppe konservativer Dichter und Denker‹‹ einerseits und in Richtung des ››politisch-korrekten Dichterschwarms‹‹ andererseits. Das ist das Trikotziehen beim Fußball. Wenn es der Schiedsrichter nicht sieht, wird es nicht als ein Foul gepfiffen.

Vor allem ist Ernst Elitz‘ Text ein Text gegen Vera Lengsfeld. Der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Journalist beschädigt mit seinen Zeilen das Ansehen eines anderen Menschen, der Bundesverdienstkreuzträgerin Vera Lengsfeld. Ernst Elitz unterstellt Lengsfeld, Tellkamp ››ins Unglück zu reite[n]‹‹. Woher weiß er das? Insinuiert er auf diese Weise nicht auch, dass Tellkamp nicht Herr seiner Entscheidungen ist und dass ihn Lengsfeld in diese Lage manipuliert hat? Warum habe ich das Gefühl, dass Vera Lengsfeld pathologisiert und aus dem Kreis der Ernstzunehmenden gedrängt werden soll? Warum beschleicht mich ein Unwohlsein, wenn ich Ernst Elitz‘ scheinbar besorgte Diagnose für die vermeintliche Bitterkeit Vera Lengsfelds lese? Nun, weil es an früher erinnert, an jene Zeit, als jedes Mittel recht war, die ›richtige Weltsicht‹ gegen Kritiker zu verteidigen.

Ernst Elitz hat einst das Kennzeichen D moderiert, jene Fernseh-Sendung, die aus dem und über das geteilte Deutschland berichtete. Bleibt zu hoffen, dass sein Text wirklich nur eine entgangene Chance auf guten und korrekten Journalismus war und nicht ein ungutes neues Kennzeichen D.

Der Dichter und Schriftsteller Jörg Bernig ist einer der Erstunterzeichner der Gemeinsamen Erklärung 2018.



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